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Berliner Grüne bestimmen Landesliste in XXL-Mitgliederversammlung im Estrel

Der XXL-Parteitag der Berliner Grünen am Wochenende erfordert von der Parteispitze viel Vorbereitung. (Archivbild)  / Foto: Annette Riedl/dpa
Der XXL-Parteitag der Berliner Grünen am Wochenende erfordert von der Parteispitze viel Vorbereitung. (Archivbild) / Foto: Annette Riedl/dpa

Marathonsitzung, Popcorn und Glücksrad: Die Berliner Grünen kommen zum XXL-Treffen zusammen, um ihre Liste für die Wahl zu bestimmen. Das Treffen bietet Spannung und Superlative.

Die Berliner Grünen stehen nach eigenen Angaben vor ihrem größten Treffen aller Zeiten. Bei einer Mitgliederversammlung wollen sie am Samstag und Sonntag ihre Landesliste für die Berlin-Wahl am 20. September bestimmen - gut möglich, dass dazu mehrere Tausend Anhänger in das Estrel Hotel in Neukölln strömen. «Wir gehen davon aus, dass noch nie so viele Berliner Grüne zusammenkamen wie dieses Mal», sagt Parteichef Philmon Ghirmai. 

Wie viele genau es sein werden, ist offen. 2017, als die Grünen das letzte Mal eine solche XXL-Versammlung abhielten und damals ihre Kandidaten für die Bundestagswahl bestimmten, waren es mehr als 1.000. Am Wochenende dürften es noch einmal deutlich mehr werden, da die Zahl der Mitglieder in der Stadt seither stark gestiegen ist. 

Etwa 18.000 Parteimitglieder

Rund 18.000 sind es aktuell. Beschlussfähig ist die Versammlung, wenn mindestens 15 Prozent davon dabei sind, also rund 2.700 Leute. Sollte das nicht klappen, wäre das nicht schlimm: Dann würden die Grünen aus der Mitgliederversammlung formal eine Landesdelegiertenversammlung machen und ihre Liste trotzdem wählen.

Vorfestlegungen über die Kandidaten und ihre Reihenfolge auf der Liste gibt es nur wenige. Da Frauen laut Satzung immer einen ungeraden Platz einnehmen müssen, soll der grüne Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters, Fraktionschef Werner Graf, Listenplatz zwei bekommen. Auf Platz eins ist die Co-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch vorgesehen, die mit Graf im Wahlkampf ein Team bilden soll. Der Landesvorsitzende Ghirmai, der bislang nicht im Parlament sitzt, will Listenplatz sechs erobern. 

Gerangel um gute Listenplätze möglich 

Grundsätzlich gilt: Jedes Berliner Grünen-Mitglied, das für das Abgeordnetenhaus wahlberechtigt ist, kann kandidieren und über die Listenplätze abstimmen. Daher dürfte es gerade um aussichtsreiche vordere Plätze auch mehrere Kandidaturen und Gerangel geben, selbst im Saal können Interessenten noch die Hand heben. Lediglich für die beiden Spitzenplätze gilt ein solches Szenario als wenig wahrscheinlich. 

Bisher stellen die Grünen als Oppositionsfraktion 33 der 159 Abgeordneten im Landesparlament. Rund 20 zogen nach Parteiangaben bei der Wiederholungswahl 2023 über die Liste in das Abgeordnetenhaus ein, holten also kein Direktmandat. Nun wollen die Grünen 50 Listenplätze wählen. «Die Liste soll die Vielfalt der Menschen und der Lebensrealitäten in der Stadt abbilden», sagt die Co-Landesvorsitzende Nina Stahr. 

Viel Sitzfleisch nötig 

Für alle Anwesenden in der riesigen Convention Hall II im Estrel Hotel bedeutet das einen Sitzungsmarathon, mehr als elf Stunden pro Tag sind vorgesehen. Erst am Sonntagabend steht dann die ganze Liste endgültig und in Gänze fest. 

Damit es den Teilnehmern nicht langweilig wird, ist ein vielfältiges Rahmenprogramm in diversen anderen Räumen und Sälen geplant. Dazu gehören ein Fragen-und-Antworten-Format mit den Spitzenkandidaten Graf und Jarasch, «Speed Meetings» vor allem für Neumitglieder mit mehr oder weniger bekannten Bundes- und Europapolitikern. Als Gast hält die Bundestagsabgeordnete und ehemalige Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang eine Rede. 

Popcorn und vegane Currywurst

In einem Social-Media-Studio können Teilnehmer Clips produzieren. An Infoständen präsentieren sich zahlreiche Initiativen und Organisationen. Glücksrad und Popcorn-Maschine gibt es beim Parteitag auch. Das Catering verspricht unter anderem Currywurst und Chili sin Carne - natürlich vegan. 

Teures Vergnügen

Ein solch hoher Aufwand hat seinen Preis. Nach Angaben der Parteivorsitzenden kostet das gesamte Wochenende die Partei schlappe 350.000 Euro - eine gigantische Summe, «normale Parteitage» sind deutlich günstiger. Aber für die Partei ist diese Art von breiter Mitbestimmung, die nur wenige andere Grünen-Landesverbände praktizieren, essenziell, wie die Vorsitzenden Stahr und Ghirmai betonen. 

2021 fiel die Mitgliederversammlung vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus übrigens wegen der Corona-Pandemie aus. 2025 konnte sie nicht stattfinden, weil es eine vorgezogene Bundestagswahl mit wenig Vorbereitungszeit gab.

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