loading

Nachrichten werden geladen...

Veröffentlicht mit CMS publizer®

Berlin: CDU fordert Randbebauung des Tempelhofer Feldes als Koalitionsbedingung

Auf dem weitläufigen Tempelhofer Feld, das früher ein Flughafen war, gehen Menschen vielfältigen Freizeitaktivitäten nach. (Archivbild)  / Foto: Monika Skolimowska/dpa
Auf dem weitläufigen Tempelhofer Feld, das früher ein Flughafen war, gehen Menschen vielfältigen Freizeitaktivitäten nach. (Archivbild) / Foto: Monika Skolimowska/dpa

CDU-Chef Dirk Stettner fordert Randbebauung des Tempelhofer Feldes zur Schaffung dringend benötigter Wohnungen; Umweltverbände warnen.

Rund vier Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wird wieder über eine mögliche Bebauung auf dem Tempelhofer Feld gestritten. Für Berlins CDU-Fraktionschef Dirk Stettner ist eine Randbebauung des früheren Flughafengeländes ein wesentlicher Punkt in möglichen Koalitionsverhandlungen nach der Wahl im September.

«Wir wollen in jedem Fall eine Randbebauung des Areals mit dringend benötigten Wohnungen», sagte Stettner der Deutschen Presse-Agentur. «Das wäre für mich eine Bedingung eines Koalitionsvertrages.» Am 20. September wird in Berlin ein neues Landesparlament gewählt.

Vor genau zwölf Jahren - am 25. Mai 2014 - hatten die Menschen in Berlin in einem Volksentscheid entschieden, dass der ehemalige Flughafen nicht bebaut werden darf. Der Flughafen ist seit fast zwei Jahrzehnten geschlossen, die Fläche wird heute als Freizeitgelände genutzt.

Über eine Bebauung wird immer wieder diskutiert. Eine Umfrage im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Berlin ergab zuletzt, dass eine Mehrheit von 59 Prozent eine «maßvolle Bebauung am Rand des Tempelhofer Feldes zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum» befürworte.

«Rundherum passen 20.000, auch 30.000 Wohnungen»

«Wir möchten, dass am Tempelhofer Feld Wohnraum geschaffen wird, und gleichzeitig der Kern dieses einzigartigen Geländes als Platz für Freizeit, Kultur, individuelles und gemeinschaftliches Erleben erhalten bleibt», sagte CDU-Fraktionschef Stettner. Das gelte auch für die Naturräume auf dem Feld. «Aber rundherum passen 20.000, auch 30.000 Wohnungen. Die brauchen wir dringend. Und das werden wir auch betreiben.»

Eine Architektengruppe hatte am Mittwoch einen Projektentwurf für den Bau von rund 21.000 Wohnungen auf einem Drittel des Tempelhofer Feldes vorgestellt. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte am Freitag, Finanzsenator Stefan Evers (CDU) werde die Finanzierbarkeit prüfen. «Das Land Berlin könnte dieses Projekt selbst entwickeln», sagte Wegner.

Was Kritiker in der Debatte sagen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) argumentiert gegen eine Bebauung. «Eine maßvolle oder schonende Bebauung des Feldes kann es nicht geben, auch wenn das jetzt wieder behauptet wird», teilte die Geschäftsführerin des BUND Berlin, Gabi Jung, mit. «Daran ändern auch immer neue Vorschläge der immer gleichen Akteure in wechselnden Zusammenschlüssen nichts.» Das solle höchstens Engagement bei der Lösung der Wohnungsfrage simulieren.

Das Feld sorge für gute Luft und Kühlung bis weit in umliegende Wohnquartiere hinein und sei wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen. In der Stadt stünden Büroflächen leer und Mietwohnungen seien als Ferienunterkünfte zweckentfremdet. Doch die Koalition von CDU und SPD sei im Betonrausch, kritisierte Jung. Dabei gebe es auch riesige Umnutzungspotenziale auf bereits betonierten und asphaltierten Flächen.

Der Spitzenkandidat der Grünen für die Abgeordnetenhauswahl, Werner Graf, sieht den neuen Vorschlag ebenfalls skeptisch. Der Senat solle lieber die bestehenden Bauprojekte voranbringen und die leerstehenden Büroflächen zu bezahlbaren Wohnungen umbauen, hatte er vergangene Woche mitgeteilt. Die Linke teilte mit, sie stehe zum Volksentscheid und lehne eine Bebauung ab.

Stettner hält neuen Volksentscheid für nicht nötig

CDU-Fraktionschef Stettner bezeichnete den Projektentwurf der Architektengruppe dagegen als gute Grundlage. «Das kann ich mir gut vorstellen», sagte er. Allerdings werde über Details wie die Geschosshöhe noch zu diskutieren sein. «Da werden wir auch sicherlich verschiedene Varianten der Bevölkerung vorstellen zur Frage, wie bebaut werden könnte. Aber das Ob ist für die CDU glasklar. Wir wollen die Randbebauung des Tempelhofer Feldes.»

Einen neuen Volksentscheid dazu hält Stettner nicht für nötig. «Die beste Volksbefragung ist die Wahl am 20. September. Und dann haben wir auch ein klares Votum.» Danach sei es Aufgabe des Parlaments, 12 oder 13 Jahre nach dem Volksentscheid 2014 eine neue Situation auch neu zu bewerten. «Und dann wird das Gesetz entsprechend angepasst.»

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten