Im Kampf gegen illegalen Müll auf Straßen, Plätzen und in Parks haben die Berliner Bezirksämter im vergangenen Jahr in mehr als 1.000 Fällen Buß- und Verwarngelder erhoben – und dabei mindestens 300.000 Euro von den Tätern kassiert. Dies hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Bezirken ergeben. Demnach schicken die meisten von ihnen inzwischen «Waste-Watcher» los, um Unrat und Dreck im Kiez zu erfassen und die Täter zu ermitteln. Laut den Antworten von zehn der zwölf Bezirke hat sich das Problem der Vermüllung stetig verschärft, beziehungsweise es bleibt konstant hoch.
«Bequemlichkeit auf Kosten der Allgemeinheit»
Die Pankower Bezirksstadträtin Manuela Anders-Granitzki (CDU) nennt die Entwicklung «besorgniserregend» – und teilt ausdrücklich den Eindruck vieler Bürgerinnen und Bürger, dass Müll im öffentlichen Raum zunimmt. «Ich nehme in Pankow – wie in ganz Berlin – vermehrt illegale Ablagerungen von Sperrmüll, aber auch eine zunehmende Gedankenlosigkeit im Kleinen wahr: Verpackungen, Grills, Glasflaschen werden zurückgelassen. Oder eben die berühmten Verschenke-Kisten, die am Ende doch zu Abfall werden», sagte sie der dpa. «Mir ist es schlicht unerklärlich, wie man denken kann, dass es in Ordnung ist, seinen Müll auf der Straße liegenzulassen und dann zu erwarten, dass jemand anderes oder die öffentliche Hand diesen wegräumt.» Das sei «Bequemlichkeit auf Kosten der Allgemeinheit».
Wegwerfen einer Zigarette kann 250 Euro kosten
Anfang November wurden die Bußgelder für Müllsünder deutlich erhöht, schon das Wegwerfen einer Zigarette kann 250 Euro kosten. Das Geld bekommen die Bezirke – als einen «echten Anreiz», die Verfolgung hochzufahren, wie der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) Mitte Februar mitteilte.
Der Neuköllner Bezirksstadtrat Gerrit Kringel (CDU) begrüßt die neue Regel und erwartet, dass die hohen Strafen die Täter in Zukunft mehr abschrecken «und wir nach und nach den Bezirk sauberer kriegen». Die Lichtenberger Bezirksstadträtin Filiz Keküllüoğlu (Grüne) gibt zu bedenken, Bußgelder allein könnten das Problem nicht lösen. «Entscheidend ist die Kombination aus Kontrolldichte, schneller Reaktion und sichtbarer Präsenz im Kiez», sagte sie der dpa.