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Berlin will Unterbringung wohnungsloser Menschen zentral steuern – LAF soll Kosten und Qualität regeln

Berlins Sozialstaatssekretär Aziz Bozkurt sieht beim Hilfesystem für wohnungslose Menschen Verbesserungsbedarf. / Foto: Stefan Kruse/dpa
Berlins Sozialstaatssekretär Aziz Bozkurt sieht beim Hilfesystem für wohnungslose Menschen Verbesserungsbedarf. / Foto: Stefan Kruse/dpa

Berlin will die Unterbringung wohnungsloser Menschen zentral über das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten steuern, mit digitaler Datenbank und neuen Verträgen.

Die Berliner Sozialverwaltung will das System zur Unterbringung wohnungsloser Menschen reformieren. Ähnlich wie bei Flüchtlingen soll die Unterbringung künftig zentral auf Landesebene gesteuert werden, wie Sozialstaatssekretär Aziz Bozkurt mitteilte. Die Sozialverwaltung verspricht sich dadurch mehr Einfluss auf Kosten und Qualitätsstandards. Steuern soll den Prozess das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF). 

Bisher sind die Bezirke zuständig, die mit einzelnen Anbietern von Unterkünften Verträge abschließen. Das hat hohe Kosten für den Staat und teils unterschiedliche Qualitätsstandards zur Folge. Zum Hintergrund: Pro Person und Tag kostet die Unterbringung im Schnitt 35 Euro.

Datenbank wie bei Hotel-App

Nach Angaben Bozkurts ist geplant, zunächst alle Unterkünfte in den Bezirken in einer digitalen Datenbank zu vereinen. Den Anfang macht der Bezirk Reinickendorf, die anderen Bezirke sollen bis Jahresende folgen. Zu jeder Unterkunft sollen in der Datenbank Informationen hinterlegt werden, etwa zu Größe, genauem Zuschnitt und freien Plätzen. Müssen die Bezirke wohnungslose Menschen mit einem Dach über dem Kopf versorgen, sollen sie die entsprechenden Plätze wie bei einer Hotel-App buchen können.

Bisher nehmen die zuständigen Behördenmitarbeiter in solchen Fällen den Telefonhörer in die Hand, wie Bozkurt sagte. Sie telefonieren dann so lange eine Liste von Wohnheimen ab, bis die gewünschte Anzahl an freien Plätzen gefunden ist. 

Lukratives Geschäft

Anbieter können so die Preise diktieren, zumal es um schnelle Hilfe für Menschen in Not geht. Die Unterbringung Wohnungsloser hat sich auf diese Weise zu einem lukrativen Geschäftsfeld entwickelt, auf dem sich nach Erkenntnissen von Fachleuten auch unseriöse Anbieter tummeln. 

Recherchen des «Tagesspiegel» ergaben jüngst, dass in manchen Heimen menschenunwürdige Zustände herrschen. «Es gibt Situationen, da geht es in die kriminelle Richtung», sagte Bozkurt dazu. «Das muss aufgeklärt werden.»

Teil der Reform ist nach den Worten des Staatssekretärs auch, dass künftig das Land neue Verträge mit Anbietern von Unterkünften schließt und dafür klare Kriterien aufstellt, wie diese Unterbringungen auszusehen hat. Das Land habe mehr Verhandlungsmacht als die einzelnen Bezirke. 

Zur Bewältigung der Probleme könne auch die Schaffung landeseigener Räumlichkeiten beitragen, etwa durch den Umbau nicht mehr genutzter Bürokomplexe. Da das die kommunalen Wohnungsgesellschaften im Moment allerdings nicht leisten könnten, sei man hier noch auf der Suche nach Lösungen. 

Zehntausende ohne reguläre Bleibe 

In Berlin gibt es laut Bozkurt 40.000 bis 50.000 Menschen ohne eigene Wohnung, die der Staat unterbringen muss. Es handelt sich dabei nicht um Obdachlose, die auf der Straße leben. Vielmehr sind das zum Beispiel Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben oder die nach Schicksalsschlägen Hilfe brauchen. Hinzu kommen noch einmal um die 35.000 geflüchtete Menschen, die das LAF unterbringt.

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