Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy (64) hat ihre Teilnahme an der Berlinale aus politischen Gründen abgesagt. «Mit großem Bedauern muss ich mitteilen, dass ich nicht an der Berlinale teilnehmen werde», erklärte sie in einem Statement über ihren Verlag. Als Begründung nannte sie die aus ihrer Sicht «unerhörten Aussagen» von Mitgliedern der Jury, als sie aufgefordert worden seien, sich zum Gazakrieg zu äußern.
Am Eröffnungstag hatte ein Journalist die Jurymitglieder auf den Nahost-Konflikt angesprochen. Er warf der Berlinale vor, sich mit Menschen im Iran und in der Ukraine solidarisiert zu haben, nicht aber mit Palästinensern. Er fragte die Jury, ob sie vor dem Hintergrund, «dass die deutsche Regierung den Völkermord in Gaza unterstützt und Hauptgeldgeber der Berlinale ist, diese selektive Behandlung der Menschenrechte» unterstütze.
Israel streitet ab, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Das ist auch die Position der Bundesregierung. Vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag läuft eine von Südafrika angestrengte Völkermord-Klage gegen Israel. Wann das Gericht ein Urteil fällen könnte, ist unbekannt.