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DDR-Bungalows in Nonnevitz auf Rügen stehen unter Denkmalschutz

DDR-Bungalows in Nonnevitz auf Rügen stehen unter Denkmalschutz
Der Betreiber der Ferienanlage «Betriebsferienlager Gera» legt wert auf Authentizität. / Foto: Stefan Sauer/dpa
Von: DieBrandenburger News
Urlaub wie im DDR-Betriebsferienlager - das ist auf Rügen möglich. Dort stehen DDR-Bungalows inzwischen sogar unter Denkmalschutz. Aber es gibt auch Probleme.

34 Quadratmeter, zwei Schlafzimmer, kein fließendes Wasser, dafür viele Kindheitserinnerungen - Urlaub im aus DDR-Zeiten stammenden Bungalow Typ B 34 ist für Candy Dassler etwas ganz Besonderes. «Das Konzept ist ja eigentlich ein ganz einfaches: Weniger ist mehr», sagt der Betreiber des «Betriebsferienlagers Gera» in Nonnevitz im Norden der Ostsee-Insel Rügen.

«Besinne Dich auf das Wesentliche und konzentriere Dich auf die Dinge, die wichtig sind.» Das will Dassler im authentischen DDR-Ambiente ermöglichen, etwa in einem der 13 weitgehend originalgetreuen Bungalows seines Ferienlagers. Als er sie vor fast 10 Jahren übernommen habe, seien sie fast «100 Prozent DDR» gewesen, wie er sagt. «Von der Kaffeetasse bis zur Tapete bis zur Lampe.» Mit den Bauten verbinde er die schönste Zeit seiner Kindheit. «Die es noch kennen, die werden sich auf jeden Fall erinnern», verspricht Dassler. Aber auch der Nachwuchs komme «aus dem Staunen nicht heraus».

Auch Denkmalschützer sind von der Besonderheit der Bauten überzeugt. Inzwischen stehen die 13 Bungalows, vier Laternen und ein Spielplatz unter Denkmalschutz. 

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Bungalows unter Denkmalschutz

«Da der größte Teil der in DDR-Zeit entstandenen Bungalows in den letzten 35 Jahren abgebrochen oder stark verändert wurden und keine in hohem Umfang erhaltene Ferienanlage wie diejenige in Bakenberg in Mecklenburg-Vorpommern erhalten ist, besitzt das Ensemble hohen Seltenheits- und Zeugniswert», schreibt das zuständige Landesamt für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (LAKD).

Die Bungalows seien «anschauliche Zeugnisse für den Tourismus in der DDR seit Mitte der 1970er Jahre», so das LAKD. «Sie zeigen insbesondere, wie ein staatlicher Arbeitgeber mit Unterkünften an der Ostsee für die Erholung seiner Beschäftigten im Sommer sorgte.» 

Der ehemalige Kreis Löbau richtete seit Ende der 1950er Jahre auf dem Areal Unterkünfte zu Urlaubszwecken ein - zunächst Zelte. In den 1970er wurde dann der Austausch durch Bungalows in Angriff genommen. Zum Einsatz kam der Typ 34 des Herstellers VEB Vereinigte Bauelementewerke Henningsdorf. Diese wurden als Bausatz geliefert und dann vor Ort in Eigenleistung aufgebaut. 

Schon zu DDR-Zeiten hohe Anforderungen

Auch damals habe es schon hohe Anforderungen gegeben, sagt Dassler. «Der Waldboden durfte nicht versiegelt werden, die mussten auf Stelzen stehen», nennt er ein Beispiel. Von den 20 erhaltenen Bungalows seien 7 privatisiert und umgebaut worden. Die 13 weitgehend originalgetreuen stünden unter Denkmalschutz.

Dass er seine Anlage nicht Ferienanlage des Kreises Löbau nennt, hat mit Dasslers eigener Vergangenheit zu tun. Er sei früher in der benachbarten Betriebsferienanlage der VEB Rationalisierung Gera im Urlaub gewesen. Wegen dieses persönlichen Bezugs habe er die Anlage nach der Übernahme entsprechend umbenannt.

Das LAKD schreibt, in der Ära von DDR-Staatschef Erich Honecker, sollte auch der Tourismus Zeichen dafür sein, dass sich das Leben im Sozialismus in der Gegenwart und nicht erst in ferner Zukunft verbesserte. «Gleichzeitig dokumentieren die Ferienbauten, dass auch der Tourismus eingebunden war in die umfassende staatliche Kontrolle aller Lebensbereiche.» 

Grenzsicherung gegen sogenannte Republikflucht

An der Ostseeküste ging es demnach auch um Grenzsicherung gegen die sogenannte Republikflucht. So gab es Einschränkungen und Verbote, Boote oder gar Luftmatratzen auf der Ostsee zu nutzen.

Dassler geht es nach eigener Aussage keineswegs darum, die DDR politisch zu verherrlichen. «Ich bin, glaube ich, der Letzte, der irgendwas verklärt.» Seine Vergangenheit in der DDR sei eher «bewegt», einschließlich Stasi-Akte und Stasi-Verhör. Aber zu den guten Dingen gehört seiner Meinung nach der Urlaub an der Ostsee auch zu DDR-Zeiten.

Für das DDR-Gefühl sollen auch weitere Angebote sorgen, etwa dreimal die Woche Schulküche, mit Gerichten wie Senfei und Nudeln mit Tomatensoße und Soljanka oder ein Kiosk mit Ostprodukten. Hinzu kommen laut Dassler Trabis mit Dachzelten oder auch typische DDR-Wohnwagen.

«Du brauchst ein gutes DDR-RFT-Radio»

Nach Überzeugung Dassler braucht es kein Fernsehen, kein Social Media und keinen Luxus für einen gelungenen Ostsee-Urlaub. «Du brauchst ein gutes DDR-RFT-Radio, was immer noch spielt, und ein Brettspiel. Du hast den Strand vor der Nase und bist in der Natur, im Wald.»

Dassler liegt allerdings schon länger mit dem Landkreis Vorpommern-Rügen im Clinch. Dieser hat ein Sanitärgebäude versiegelt, das Dassler als Ersatzneubau errichtet hat, nachdem das alte nicht mehr haltbar war. In dem Küstenschutzbereich und Wald gibt es nach Ansicht des Landkreises aber kein gültiges Baurecht. Auch die Nutzung mobiler Sanitäranlagen wie Dixi-Toiletten hat die Verwaltung aus diesem Grund untersagt. Diese gelten demnach ebenfalls als bauliche Anlagen ohne Genehmigung.

Für das strittige Sanitärgebäude liegt dem Landkreis nach eigener Aussage seit kurzem ein Bauantrag zur Prüfung vor. «Der Ausgang dieses Verfahrens ist abzuwarten.»

Grundsätzlich heißt es aus der Verwaltung: «Der Landkreis Vorpommern-Rügen begrüßt Freizeit- und Erholungsangebote in der Region.» Ferienanlagen und Campingplätze seien Orte der Erholung und Begegnung für Menschen aller Altersgruppen, und tragen darüber hinaus zur regionalen Wertschöpfung bei. Der Landkreis verwies aber auch auf die Einhaltung geltenden Baurechts.

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