Abnehmende Zustimmung zur Demokratie, viel Offenheit für eine Einheitspartei oder einen Führer, dazu verbreiteter Rassismus und Nationalismus: Der neue «Berlin-Monitor» offenbart, dass viele Menschen in der Hauptstadt mit dem demokratischen System in seiner heutigen Form fremdeln. Für die Studie befragten Wissenschaftler der Uni Leipzig 2025 wie schon 2019, 2021 und 2023 rund 2.000 repräsentativ ausgewählte Berlinerinnen und Berliner nach ihren politischen und gesellschaftlichen Einstellungen. Was sind die Ergebnisse?
2. Rechtsextreme Einstellungen
Laut Umfrage befürworten 8,7 Prozent der Befragten eine rechtsautoritäre Diktatur. 24,4 Prozent zeigen chauvinistische Einstellungen - also eine Form von Nationalismus, bei dem sie sich über andere erheben. Beide Werte sind zwar etwas geringer als bei früheren Befragungen, aber höher als in vergleichbaren Untersuchungen für Ost- und Westdeutschland. Zu «Ausländerfeindlichkeit» bekennen sich 15,1 Prozent, auch dieser Wert ging etwas zurück. Das Phänomen ist zudem in Berlin weniger ausgeprägt, als es Studien für Ost- und in Westdeutschland ergaben.
Einzelne Fragestellungen lassen in dem Zusammenhang aufhorchen: So stimmten 30,7 Prozent der These zu, Deutschland sei durch viele Ausländer «in einem gefährlichen Maß überfremdet». Weitere 19,8 Prozent stimmen dem teilweise zu.
3. Wachsender Antisemitismus
«Antisemitismus bleibt ein zentrales Risiko für die demokratische Kultur», heißt es in der Studie. Antisemitische Ressentiments hätten zugenommen und seien weit verbreitet, in Berlin sogar mehr als in Ost- und Westdeutschland. So glauben 12,4 Prozent fest daran, dass Juden mehr als andere Menschen mit «Tricks» arbeiteten, um ihre Ziele zu erreichen. Weitere 11,2 Prozent halten die Behauptung zum Teil für richtig.
Einen massiven Anstieg verzeichnen die Studienautoren bei israelbezogenem Antisemitismus. Die These «Israels Politik in Palästina ist genauso schlimm wie die Politik der Nazis im Zweiten Weltkrieg» werten 35,6 Prozent als zutreffend, weitere 27,5 Prozent als teilweise zutreffend.
Außerdem plädiert laut Umfrage fast die Hälfte (47,7 Prozent) dafür, sich lieber aktuellen Problemen zuzuwenden als dem Holocaust. Weitere 22,3 Prozent finden diese Aussage zum Teil richtig. Die Wissenschaft spricht hier von «Schuldabwehrantisemitismus». Die Studie ergab auch: Judenhass ist im rechten Spektrum viel stärker verbreitet als im linken. Und: Antisemitische Einstellungen wachsen mit zunehmender Nutzungsdauer von Social-Media-Kanälen und sind bei Menschen unter 30 stärker verbreitet.