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Desinformationskampagne vor Berliner Wahl: Fake-Videos zielen auf Spitzenkandidaten

Vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus versuchen Unbekannt, Kandidaten im Internet durch gefälschte Videos zu diskreditieren. (Symbolbild) / Foto: Philip Dulian/dpa
Vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus versuchen Unbekannt, Kandidaten im Internet durch gefälschte Videos zu diskreditieren. (Symbolbild) / Foto: Philip Dulian/dpa

Falsche Videos mit abstrusen Behauptungen tauchen vor der Berlin-Wahl auf X auf und sollen Kandidaten treffen. Wer steckt dahinter und wie reagieren Parteien und Behörden?

Zwei Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus schreckt eine Desinformationskampagne Parteien und Behörden auf. Auf der Plattform X wurden diverse Videos mit falschen Behauptungen über Kandidaten gepostet, die deren Glaubwürdigkeit erschüttern sollen. Nach Recherchen der «Zeit» sind mindestens acht Berliner Politiker, darunter die Spitzenkandidaten von CDU, SPD, Grünen und Linken betroffen. Um echt zu wirken, enthalten die in englisch gehaltenen Posts Logos großer deutscher Medienmarken.

Polizei und Berliner Innenverwaltung nebst dem Landes-Verfassungsschutz äußerten sich auf dpa-Anfrage nicht zu den Vorgängen. Nach Angaben der «Zeit» ermittelt der Staatsschutz. Linke-Landesgeschäftsführer Björn Tielebein sagte der dpa, dass seine Partei wegen der Clips im Kontakt mit dem Landeskriminalamt stehe. 

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach sagte: «Wir wissen aus vergangenen Jahren, dass sich Russland mit Desinformationskampagnen aktiv in Wahlen einmischt.» Es sei auch kein Geheimnis, dass die AfD auf Kuschelkurs mit Wladimir Putin sei. «Es überrascht mich daher nicht, wenn der Kreml nun auch Schützenhilfe für die Berliner AfD leistet und Politiker der demokratischen Parteien mit gezielten Lügen versucht zu diffamieren.» Bei den Grünen waren die Videos bisher nach Auskunft eines Sprechers nicht bekannt.

Wahlleiter verurteilt Desinformation 

Landeswahlleiter Stephan Bröchler warnte schon vor geraumer Zeit vor solchen Störungen. «Jeder Versuch der Desinformation und Manipulation im Vorfeld der Berliner Wahlen im September ist ein Angriff auf die freie Willensbildung und Entscheidungsfindung der Bürgerinnen und Bürger, den ich aufs Schärfste verurteile», sagte er jetzt der Deutschen Presse-Agentur, ohne auf die aktuellen Fälle näher einzugehen.

«Zu diesem grundsätzlichen Thema stehe ich als Landeswahlleiter in engem Austausch mit der Innensenatorin und dem Berliner Verfassungsschutz, um die Sicherheit der Wahlen und die freie Wahlentscheidung zu gewährleisten», so Bröchler. «Wir arbeiten aktuell an einem umfassenden Konzept, wie das Land Berlin im Vorfeld der Wahlen gegenüber Desinformationskampagnen noch resilienter werden kann.»

Posts auch in anderen Bundesländern 

Auch in Sachsen-Anhalt (Landtagswahl am 6. September), Niedersachsen (Kommunalwahl am 13. September) und Mecklenburg-Vorpommern (Landtagswahl am 20. September parallel zu Berlin) waren zuletzt nach Angaben von Sicherheitsbehörden Fake-Posts aufgetaucht. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hatte Ende Juni erklärt, dass die fraglichen Aktivitäten - auch die in Berlin - Ähnlichkeiten zum Vorgehen der «Matrjoschka-Kampagne» aufweisen. 

Im Zuge dieser Kampagne kursierten bereits zur Bundestagswahl 2025 massenhaft Falschmeldungen. Auch in anderen Staaten wurden Fake News verbreitet. 

Verfassungsschutz nimmt Gefährdungen sehr ernst

«Das BfV nimmt die Gefährdung durch unzulässige ausländische Einflussnahme und Informationsmanipulation bei Wahlen in Deutschland sehr ernst», so das Bundesamt für Verfassungsschutz. Nach seiner Einschätzung ist angesichts zunehmender hybrider Angriffe Russlands gegen europäische Demokratien mit Versuchen zur Einflussnahme auch rund um Landtagswahlen zu rechnen. «Die Hauptbedrohung für Deutschland geht hierbei weiterhin von Aktivitäten der Russischen Föderation aus.»

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