Mit ihrem letzten Roman über ihre Erlebnisse als Fußpflegerin in Ostberlin trifft Katja Oskamp 2019 den Nerv der Zeit: einfühlsam, robust, zugewandt. «Ein Glücksfall», heißt es damals über den Bestseller «Marzahn, mon amour». Die Berliner Autorin erzählt darin von ihrer Arbeit in einem Fußpflegesalon im rauen Plattenbaugebiet, diesem warm-kalten Biotop aus Berliner Schnauze und melancholischer Grundstimmung.
Fünf Jahre später schabt die 54-jährige Schriftstellerin wieder am eigenen Leben, auch wenn es diesmal noch privater, noch intimer zugeht. Ihr Buch «Die vorletzte Frau» behandelt die Beziehung der Ich-Erzählerin zu dem 19 Jahre älteren, erfolgreichen Schriftsteller Tosch, der im Laufe des Buches an Prostatakrebs erkrankt. «Am einen Tag brillierte er in Anzug und weißem Hemd vor hundert Leuten in der Nationalgalerie mit einem Vortrag über die Mariengestalt, am anderen stöhnte er, weil ihn Rücken-, Kiefer- oder Bauchschmerzen plagten», heißt es einmal. Schnell zeigt sich: Hier wird das Leben und der Alltag eines Auf und Ab ziseliert.