Logo DieBrandenburger News

Terre des Femmes: Behörden besser ausbilden

Terre des Femmes: Behörden besser ausbilden
Gesellschaftlich sei man sich einig, dass Gewalt gegen Kinder zu ächten sei, bei Gewalt gegen Frauen sei das nicht der Fall, sagt Birkmann. (Archivbild) / Foto: Christoph Soeder/dpa
Im Prozess um mutmaßliche Übergriffe auf 14 betäubte Frauen steht ein Urteil an. Terre des Femmes sieht große Lücken im Umgang der Behörden mit Gewalt gegen Frauen.

Aus Sicht der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes wird Gewalt gegen Frauen gesellschaftlich weiterhin unterschätzt. Man brauche ein System, wo strukturelle Gewalt abgeschafft wird, wo alle noch immer bestehenden Lücken geschlossen werden, sagte Gesa Birkmann, eine der Bundesgeschäftsführerinnen von Terre des Femmes, im RBB-Inforadio. 

So müssten etwa Beweise schneller gesichert werden, bevor sie verschwinden und Verjährungsfristen bei Vergewaltigung verlängert oder abgeschafft werden. Gesellschaftlich sei man sich einig, dass Gewalt gegen Kinder zu ächten sei, bei Gewalt gegen Frauen sei das nicht der Fall. 

Thema hat keine Priorität

Terre des Femmes gehe davon aus, dass die Behörden, die mit dem Thema Gewalt gegen Frauen zu tun haben, zu schlecht ausgebildet sind, um angemessen reagieren zu können, sagte Birkmann weiter. Die Polizei habe zu wenig Personal und das Thema sei nicht oberste Priorität. 

Das Landgericht Berlin will voraussichtlich heute eine Entscheidung um eine Serie von Vergewaltigungen betäubter Frauen verkünden. Einem 69-Jährigen werden Übergriffe auf 14 Frauen zur Last gelegt. Mit sedierenden Substanzen in Kombination mit Alkohol soll er die Frauen bewusstlos gemacht, vergewaltigt und dabei gefilmt haben.

Angeklagte hat gestanden

Die Anklage lautet auf Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen. Die Opfer erfuhren erst im Zuge der Ermittlungen aufgrund von Videos, was ihnen widerfahren ist. Der 69-Jährige, der seit März in Untersuchungshaft sitzt, hatte zu Prozessbeginn gestanden. Gegen ihn wird in weiteren Fällen ermittelt. Es soll insgesamt bis zu 59 betroffene Frauen geben.

Birkmann sagte, jede 15. Frau habe das Gefühl, möglicherweise schon einmal mit K.-o.-Tropfen betäubt worden zu sein. Oft sei es extrem großer Zufall, dass derartige Fälle überhaupt bekanntwerden. Das Urteil gegen den 69-Jährigen könne Signalwirkung für Frauen und Täter haben, dürfe aber nur ein Anfang sein.

Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten