Mit Skibrille und Gesichtsmaske vermummt betritt eine der Angeklagten den Gerichtssaal des Landgerichts Kassel, um sich vor den zahlreichen Kameras der anwesenden Presse zu schützen. Die 55-Jährige sitzt zusammen mit zwei 57- und 58-jährigen Männern nach einem der schwersten deutschen Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre seit heute auf der Anklagebank des Landgerichts Kassel.
Waren Infektionen mitursächlich am Tod von elf Menschen?
Die drei ehemaligen leitenden Mitarbeiter der Firma Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren im nordhessischen Twistetal sollen dafür verantwortlich sein, dass mit Listerien verseuchte Fleisch- und Wurstwaren über Jahre in den Handel gebracht wurden, die den Tod von elf Menschen zumindest mitverursacht haben sollen. Listerien sind eine Bakterienfamilie, die sich auch in kühler Umgebung vermehrt.
Der Vorwurf gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Fabrik, seine Stellvertreterin sowie den damaligen Produktionsleiter lautet unter anderem fahrlässige Tötung in elf Fällen sowie fahrlässige Körperverletzung in sieben Fällen. Zum Prozessauftakt vor der 2. (Wirtschafts-)Strafkammer äußerten sich die Beschuldigten nicht. Ein Versuch der Verständigung, die dem Gericht erlaubt hätte, den Angeklagten im Gegenzug für ein Geständnis eine bestimmte Strafe in Aussicht zu stellen, scheiterte zunächst.