Dieser Text ist ein Auszug aus der 139. Ausgabe der MARK: Romanzen in Brandenburg.
Im Jahr 1919 zog Johanna Elberskirchen mit ihrer Lebensgefährtin Hildegard Moniac in die Mark Brandenburg, nach Rüdersdorf, vor die Tore Berlins. Elberskirchen war zu diesem Zeitpunkt 55 Jahre alt. Hinter ihr lag bereits ein bewegtes Leben: Sie hatte in Zürich Medizin und Recht studiert, im Tessin zusammen mit Anarchistinnen und Anarchisten, Mitgliedern der Lebensreform und Kunstschaffenden in Michael Bakunins „Villa Baronata“ gewohnt, war in der Schweiz steckbrieflich gesucht worden, hatte sich im Kaiserreich für Sozialdemokratie und Frauenrechte engagiert, war aktiv in der Homosexuellenbewegung und als Naturheilkundlerin gewesen. Sie eckte an, überforderte ihre Zeitgenossen und -genossinnen, reizte, schrieb und stritt.


