Es ist ein bewölkter Oktobertag und Moritz Schmid ist wieder unterwegs - unterwegs in den Pilzen. «Der Wald ist einfach eine bullshitfreie Zone. Da hast du keinen Raum für deine Mails und das Handy», sagt der Pilz-Experte. Jede Woche sei er mindestens zweimal im Wald, meist auf der Suche nach Pilzen, häufig in einem Wald unweit seines Hauses im Südosten von Berlin. «Am besten allein. Ich bin dann nur für mich.»
Vergammelte Pilze in den Körben
Kaum aus dem Auto gestiegen, landen die ersten Pilze im Korb. Erst der Klopftest, dann der Drucktest. Die häufigste Vergiftung beim Pilze-Essen sei auf überständige Pilze zurückzuführen - also Pilze, die bereits anfangen zu gammeln. «Dann ist das Eiweiß bereits in der Zersetzung und aus Speisepilzen werden für Magen und Darm giftige Pilze», erklärt er. Er nehme daher auch lieber kleine als große und ältere Pilze.
Doch ihm geht es nicht ums «Haben, Haben, Haben», betont er. Ziel sei es nicht, die tägliche Mahlzeit zu sichern, sondern der Wald an sich - die Ruhe, das Mit-sich-selbst-sein, das Beobachten und Lernen von der Natur. «Erst einmal in Ruhe sammeln.» Etwas verwundert schaut er deshalb auf ein paar andere Sammler, die an diesem Tag schon von weitem hörbar ihrer Pilzsuche nachgehen. «Haaaalllloooooo, Hallloooooo», brüllt jemand durch den Wald. Schmid schüttelt den Kopf.