Beim Spaziergang durch Guben schätzt Anika Franze vor allem die kleinen Dinge: «Hier liegt einfach kein Müll herum, niemand stellt hier Sofas auf den Bürgersteig», sagt die gebürtige Berlinerin, die vor zwei Jahren das Experiment Kleinstadt wagte. Als erste Teilnehmerin des Projekts «Probewohnen» entschied sie sich dauerhaft für ein Leben in Guben in der Niederlausitz.
«Ich war fertig mit Berlin»
2024 lud die Verwaltung erstmals Interessierte dazu ein, vier Wochen lang das Leben in der Neiße-Stadt zu testen. Der Umzug aus der Millionenmetropole Berlin in die Stadt mit rund 16.000 Einwohnern fiel Franze nicht schwer. «Ich war wirklich fertig mit Berlin und habe die Entscheidung keinen einzigen Tag bereut», sagt die 39-Jährige.
Viele Kommunen in Brandenburg kämpfen gegen ihren Bevölkerungsschwund und Wohnungsleerstand. Als ein Mittel hat sich das Probewohnen etabliert. Die Idee: Menschen können für ein paar Wochen oder Monate auf Probe in der Stadt wohnen, nehmen an Veranstaltungen teil oder absolvieren Praktika in Betrieben.