Martin Gutzeit gestorben: Mitbegründer der DDR‑SPD und Berliner Stasi‑Beauftragter (74)
Der Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR und langjährige Berliner Landesbeauftragte für die Stasi-Akten, Martin Gutzeit, ist tot. Er starb am Dienstag im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus. Das sagte Gutzeits politischer Weggefährte und enger Freund, Stephan Hilsberg, der dpa. Zuvor berichtete der «Tagesspiegel». Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte laut Mitteilung: «Martin Gutzeit war ein Wegbereiter unseres in Freiheit und Demokratie vereinten Landes. Als mutiger Pfarrer in der DDR schuf er Freiräume inmitten der Unfreiheit und wurde zu einem führenden Kopf der Opposition.» Sein christlicher Glaube habe ihm die Kraft gegeben, auch in der Diktatur nie die Hoffnung zu verlieren und für ein freies Land mit freien Menschen zu kämpfen. Der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Frank Ebert, würdigte Gutzeit als originellen Denker und mutigen Oppositionellen. «Mit ihm verliert Berlin einen herausragenden Akteur der Friedlichen Revolution und der Aufarbeitung der SED-Diktatur», hieß es in einer Mitteilung weiter. Der evangelische Theologe Gutzeit hatte zusammen mit Markus Meckel im Oktober 1989 die Sozialdemokratische Partei in der DDR (SDP) gegründet. Gutzeit wurde 1990 als SPD-Abgeordneter in die erste frei gewählte Volkskammer der DDR gewählt und war so zwischen Oktober und Dezember auch Mitglied im Bundestag. Von 1993 bis 2017 war er Berliner Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen und verschrieb sich der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Sein Weggefährte Hilsberg, auch Gründungsmitglied der Ost-SPD, nannte Gutzeit «mutig und klug». Er habe der Widerstandsbewegung in der DDR «den entscheidenden Push» verliehen mit seiner realisierten Idee zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei. «Das ist der radikalste Schritt zur Entmachtung der SED gewesen.» Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenAbgeordneter in erster frei gewählter DDR-Volkskammer