Die weißhaarige ältere Dame auf dem Bürgersteig mit einem Stoffbeutel in der rechten Hand scheint auf dem Weg zum Einkaufen zu sein. Doch als sie sich in Berlin-Wannsee einem Fußgängertunnel nähert, werden ihre Schritte langsamer. Irmela Mensah-Schramm prüft im Vorbeigehen, was an den Betonwänden links und rechts zu lesen ist. Die zahlreichen Graffiti der Hertha-Fans interessieren sie wenig. Sie sucht nach rechtsextremistischen Sprüchen oder rassistischen Parolen.
Meistens dauert das nicht lange: «FCK Antifa» ist an der rechten Tunnelwand zu lesen. Die Berlinerin stoppt, macht mit ihrer kleinen Digitalkamera ein Foto, um den Schriftzug zu dokumentieren und holt eine Spraydose aus dem Stoffbeutel. Nur eine halbe Minute später ist «Für Antifa» an der Wand zu lesen. Die drei Buchstaben «FCK» für «fuck» hat sie mit schwarzer Farbe übersprüht.
Mit solchen Aktionen hat die 78-Jährige viel Übung. Seit fast vier Jahrzehnten engagiert sich die Menschenrechtsaktivistin gegen rechte Propaganda und Hassbekundungen, kratzt Aufkleber von Neonazis von Laternenpfählen oder übermalt rechte Sprüche. Denn die Berlinerin lacht zwar oft und gerne, aber es gibt Themen, da hört für sie der Spaß auf. Bei «Ausländer raus» gilt für sie: null Toleranz. Bei «Juden raus» erst recht.