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Gysi erntet scharfe Kritik von migrantischen Linken

Gregor Gysi hat selbst jüdische Wurzeln. (Archivbild) / Foto: Fabian Sommer/dpa
Gregor Gysi hat selbst jüdische Wurzeln. (Archivbild) / Foto: Fabian Sommer/dpa

Der Konflikt in der Linken über Antisemitismus und Israel eskaliert. Diesmal im Mittelpunkt: «Silberlocke» Gregor Gysi. Der frühere Fraktionschef hat eine kuriose Erklärung, warum er nicht reagiert.

Im internen Streit der Linken über Antisemitismus sieht sich der frühere Fraktionschef Gregor Gysi scharfer Kritik ausgesetzt. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Migrantische Linke wirft dem 78-Jährigen wegen eines Interviews «rassistische Narrative» vor, wie es in einem internen Schreiben an Gysi heißt.

Der Brief, über den zunächst «Spiegel» und «Welt» berichteten, liegt auch der Deutschen Presse-Agentur vor. Gysis Büro erklärte allerdings auf Anfrage, das Schreiben habe den Bundestagsabgeordneten nicht erreicht. Schon deshalb werde sich Gysi dazu nicht äußern, sagte ein Sprecher.

«Verwurzeltes Phänomen»

Die Migrantische Linke postete auch ein Video auf Instagram, das die kritisierte Passage eines «Focus»-Interviews mit Gysi zeigt. Dort sagte dieser auf eine Frage nach Antisemitismus in der Linken, es seien viele Menschen mit «spezifischem Migrationshintergrund» in die Partei gekommen, was er begrüße. Diese brächten aber Sichten auf Israel mit, die zum Teil falsch seien.

Der von Dutzenden Parteimitgliedern unterzeichnete Brief wirft Gysi vor, damit einen pauschalen Verdacht gegen Migrantinnen und Migranten zu äußern und mit einem «angeblich zunehmenden Antisemitismus-Problem» zu verknüpfen. Tatsächlich sei Antisemitismus ein «gesamtgesellschaftliches, tief in der europäischen Geschichte verwurzeltes Phänomen».

Van Aken verweist auf «blauäugige Deutsche»

In diese Richtung äußerte sich auch der Parteivorsitzende Jan van Aken im «Spiegel»: «Wenn ich Gregor richtig verstehe, dann ist es nicht richtig was er da sagt. Er erweckt den Eindruck, dass Antisemitismus vor allem 'importiert' sei. In der jahrhundertelangen Geschichte der Judenverfolgung war es vor allem das Christentum, das eine Gefahr für Jüdinnen und Juden war. Und der Holocaust wurde von blonden blauäugigen Deutschen begangen.»

Antisemitismus sei ein Problem der gesamten Gesellschaft und nicht bestimmter Gruppen, betonte van Aken. «Aber vielleicht liegt hier auch ein Missverständnis vor – deshalb fände ich ein baldiges Treffen zwischen den Betroffenen sinnvoll.» Ein Gespräch wird auch in dem internen Brief der Migrantischen Linken an Gysi gefordert, ebenso wie eine «öffentliche Entschuldigung bei den migrantischen und jungen Mitgliedern unserer Partei».

Dauerstreit über Nahost

Der Streit fügt sich ein in einen Dauerkonflikt in der Linken über die Haltung zu Israel und zum Gazakrieg. Erst zu Wochenbeginn hatte der brandenburgische Antisemitismusbeauftragte Andreas Büttner seinen Austritt aus der Linken erklärt, nachdem sich der niedersächsische Landesverband in einem Antrag gegen den «heute real existierenden Zionismus» gewandt hatte und der israelischen Regierung einen «Genozid» im Gazastreifen sowie ein System der «Apartheid» vorgehalten hatte.

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