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Vom Männerheft zur Creator-Bühne: Wie sich das Erotik-Magazin neu erfindet

Frau in rotem Kleid liest ein Magazin auf dem Bett
Creator entscheiden selbst, wie sie sich präsentieren möchten – der BestFans Insider erzählt ihre Geschichten. / Foto: prostooleh auf magnific.com
Von: Konrad Vers

Klassische Erotik-Hefte wurden von Männern für Männer gemacht – die abgebildeten Frauen hatten wenig zu sagen. Ein neues Magazin, der “BestFans Insider” kommt direkt aus der Creator-Szene und zeigt, wie grundlegend sich die Machtverhältnisse in der Branche verschoben haben.

Die Geschichte des Erotik-Magazins ist über weite Strecken eine Geschichte männlicher Blicke. Männer gründeten die Hefte, Männer führten die Redaktionen, Männer fotografierten, Männer kauften. Die Frauen auf den Seiten waren das Produkt – ausgewählt, inszeniert und vermarktet nach Kriterien, auf die sie selbst kaum Einfluss hatten. Wer wie gezeigt wurde, was als attraktiv galt und wer an den Erlösen verdiente: All das entschieden andere.

Die Creator-Ökonomie hat dieses Modell in den vergangenen Jahren fundamental verändert. Auf Plattformen, auf denen Creator ihre Inhalte direkt an zahlende Abonnenten vermarkten, liegt die Kontrolle bei den – häufig weiblichen – Produzentinnen selbst: Sie bestimmen, welche Inhalte entstehen, wo ihre Grenzen liegen und zu welchem Preis sie ihre Arbeit anbieten. Aus dem fotografierten Objekt ist eine Unternehmerin geworden.

Seit dem 11. Juni überträgt ein neues Magazin diese Logik zurück in jenes Medium, in dem die alte Ordnung einst ihren sichtbarsten Ausdruck fand: das gedruckte Heft. Der „BestFans Insider", herausgegeben von der Creator-Plattform BestFans, erscheint quartalsweise im Handel – ein Erotik-Magazin, in dem die abgebildeten Personen zugleich die Protagonistinnen ihrer eigenen Geschichten sind.

Ist das Heft damit ein feministisches Produkt, auch wenn nackte Haut zu sehen ist? Germaine, Account & Talent Relations Managerin bei BestFans, beantwortet die Frage ohne ideologisches Pathos, aber mit einer klaren Setzung: „Ich denke, das Wichtigste ist die Selbstbestimmung. Creator entscheiden heute selbst, wie sie sich präsentieren möchten, welche Inhalte sie veröffentlichen und was für sie in Ordnung ist oder eben nicht. Genau deshalb stehen für uns die Menschen hinter den Profilen und ihre Geschichten im Mittelpunkt."

Der Begriff der Selbstbestimmung ist dabei mehr als eine Marketingfloskel – er beschreibt den ökonomischen Kern des Geschäftsmodells. Anders als in der klassischen Erotik-Industrie, in der Verlage, Produzenten und Agenturen den Großteil der Wertschöpfung kontrollierten, behalten Creator auf Plattformen die Hoheit über ihre Inhalte und einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen. Die Präsenz im Magazin soll diese Position stärken, nicht ersetzen: Für die Creator bedeutet das Heft nach Angaben der Plattform eine zusätzliche Möglichkeit, Reichweite und wirtschaftlichen Erfolg auszubauen.

Auch bei der Zusammenstellung der ersten Ausgabe spiegelt sich der Anspruch, Personen statt Projektionsflächen zu zeigen. „Bei der Auswahl haben wir nicht nur auf Reichweite geschaut", sagt Germaine. „Uns war wichtig, eine gute Mischung aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, Geschichten und Themen zu schaffen. Jeder Creator bringt seine eigene Community, seinen eigenen Weg und seine eigene Geschichte mit. Genau diese Vielfalt wollten wir in der ersten Ausgabe zeigen." Am Ende solle das Magazin „interessante Menschen vorstellen und Einblicke geben, die man auf Social Media oft gar nicht mitbekommt".

Bemerkenswert ist auch die Perspektive, aus der das Heft entsteht. Germaine selbst kennt beide Seiten der Branche: Als Talent-Managerin begleitet sie Creatorinnen und Creator im Tagesgeschäft – bei Fragen zu Reichweite, Umsätzen und Positionierung. Gleichzeitig ist sie selbst als Creatorin aktiv und versteht damit sowohl die geschäftliche als auch die kreative Seite des Creator-Business aus eigener Erfahrung. Die Erzählperspektive des Magazins ist damit gewissermaßen programmatisch: nicht der Blick von außen auf die Frauen, sondern die Geschichten der Menschen hinter den Profilen, erzählt von Menschen, die diese Welt von innen kennen.

Dass Erotik dabei weiterhin vorkommt, versteht sich für die Macherinnen von selbst – sie ist Teil der Branche und Teil der Lebensrealität der porträtierten Personen. Der Unterschied liegt nicht im Ob, sondern im Wie: „Wir möchten mehr zeigen als nur schöne Bilder", sagt Germaine. „Wir möchten Geschichten erzählen, Persönlichkeiten vorstellen und Einblicke geben, die man sonst oft nicht bekommt."

Ob man das Heft nun feministisch nennen mag oder nicht – es dokumentiert einen Wandel, der weit über die Erotik-Branche hinausweist. Die Frage, wer über die Darstellung von Körpern entscheidet und wer daran verdient, wird in der Creator-Ökonomie neu beantwortet. Das gedruckte Magazin, einst das Leitmedium der alten Ordnung, wird dabei zum Schauplatz ihrer Ablösung. Vier Ausgaben pro Jahr sind geplant. Die Geschichte, die der „BestFans Insider" erzählt, ist damit auch eine über das Medium selbst: Es hat den Besitzer gewechselt.

Konrad Vers
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Konrad Vers

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