Zahllose Trump-Erklärer haben sich schon an dem Mann im Weißen Haus abgearbeitet. Nun entwickelt Deutschlands bekanntester Philosoph einen neuen Ansatz: In seinem kürzlich erschienenen Buch «Der Fürst und seine Erben» zieht Peter Sloterdijk die klassische Studie «Der Fürst» von Niccolò Machiavelli zurate. Dieses vielleicht erste Werk der modernen politischen Philosophie liest Sloterdijk (78) nicht als historisches Zeugnis einer lang vergangenen Epoche, sondern als Analyse der Gegenwartspolitik.
Machiavelli wandelte von 1469 bis 1527 auf dieser Erde einher, nächstes Jahr wird seines 500. Todestags gedacht. Ein halbes Jahrtausend liegt also zwischen ihm und den heute Lebenden. «Dennoch haben wir immer noch das Gefühl, von ihm angesprochen zu werden», sagt Sloterdijk der Deutschen Presse-Agentur. Bekannt ist der italienische Denker und Diplomat heute in erster Linie für das Attribut «machiavellistisch»: Darunter versteht man gemeinhin eine Politik, für die Erfolg wichtiger ist als Moral.
Machiavelli akzeptierte Täuschung und Gewalt als politisches Mittel - aber er pries auch Bürgerfreiheit und eine republikanische Staatsordnung. Seine Wirkungsstätte Florenz etwa war kein Fürstentum, sondern eine Stadtrepublik mit gewählten Ämtern.