Während der Corona-Pandemie lagen die Nerven bei vielen Menschen in Deutschland blank. Was dem bekannten Virologen Christian Drosten im Sommer 2022 auf einem Campingplatz bei Wesenberg (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) widerfuhr, beschäftigt nun ein Gericht. Auf dem Zeltplatz wurde er bei einem kurzen Privataufenthalt als «Massenmörder» und «größter Verbrecher aller Zeiten» verunglimpft und verleumdet, wie der Staatsanwalt am Dienstag am Amtsgericht Waren zum Auftakt eines Prozesses verlas. Auf der Anklagebank: Zwei Frauen, denen Beleidigung vorgeworfen wird, und ein Mann, der sich wegen öffentlich begangener Verleumdung und versuchter Nötigung verantworten muss. Alle drei leben in Berlin.
Der 49-jährige Angeklagte soll Drosten unter anderem lautstark beschimpft haben, als dieser mit seinem vierjährigen Sohn auf dem Weg zurück zu seinem Zelt war. Auch die beiden Frauen hätten den Wissenschaftler auf dem Campingplatz beleidigt und dabei öffentlich seinen Ruf schädigen wollen, so der Staatsanwalt. Eine der Angeklagten ist 51 Jahre, die zweite nannte ihr Geburtsdatum nicht öffentlich, ist aber jünger. Alle drei Angeklagten schwiegen am Dienstag. Es geht um insgesamt neun Straftaten im Zeitraum vom 25. bis zum 29. Juni 2022.