Immer mehr unerledigte Fälle bei Berliner Staatsanwaltschaft
Bei der Berliner Staatsanwaltschaft stapeln sich immer mehr unerledigte Fälle. Zur Jahreshälfte waren in der Hauptstadt 62.438 Verfahren nicht abgeschlossen - und damit bereits fast 14 Prozent mehr als zum 30. Juni 2025 (54.905). Das ergab eine Umfrage bei den Justizverwaltungen der Länder, die die vom Richterbund herausgegebene «Deutsche Richterzeitung» durchgeführt hat. Wie auch in den anderen Bundesländern haben Staatsanwaltschaft und Amtsanwaltschaft, die als Ermittlungsbehörde kleinere bis mittlere Straftaten verfolgt, Mühe mit der Arbeit hinterherzukommen. Denn zu den bereits vorliegenden Fällen kommen ständig neue hinzu. Im ersten Halbjahr 2026 lag die Anzahl bei 180.396 - eine Steigerung von 4,9 Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2025 (172.149). Bundesweit meldeten die Strafverfolger zur Jahresmitte 2026 erstmals mehr als 1,1 Millionen offene Fälle. Im Vergleich zum 30. Juni 2025 ist das eine Steigerung um 13 Prozent. «Den Strafverfolgern steht die Verfahrensflut bis zum Hals», sagte Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes (DRB), der Deutschen Presse-Agentur. Auch bei den Eingangszahlen erwartet der Richterbund eine neue Höchstmarke. Im ersten Halbjahr 2026 landeten nach den Angaben mehr als 2,7 Millionen neue Fälle bei den Staatsanwaltschaften in Deutschland - rund 52.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit zeichnet sich ab, dass die Eingangszahl bundesweit für das Gesamtjahr deutlich über 5 Millionen liegen wird. In der Hauptstadt hat aus Sicht der Vereinigung Berliner Staatsanwälte die Umstellung auf die elektronische Akte einen deutlichen Anteil an der Belastung. «Diese ist komplexer als gedacht», sagte der Vorsitzende Sebastian Büchner. Das System sei «sehr klein gedacht» und stark an analoge Abläufe angelehnt. Dies belaste Geschäftsstellen sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte. Hinzu kämen die erhöhten Zahlen von Neueingängen, so Büchner. «Wir befürchten, dass wir in der kommenden ein bis zwei Jahren weitere Bestände aufbauen», so der Oberstaatsanwalt. Alle Beschäftigten seien bemüht, dass es nicht dazu komme. Es werde noch stärker priorisiert bei den Verfahren. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenBundesweit mehr als 1,1 Millionen offene Fälle
E-Akte trägt zur Belastung bei