Gut vier Jahre nach der Aufnahme des ersten Berliner Corona-Patienten an der Charité lässt die Unterstützung von Long-Covid-Patienten laut der Charité-Professorin Carmen Scheibenbogen nach wie vor zu wünschen übrig. «Die Betroffenen sind bislang überwiegend nicht gut, bis gar nicht versorgt», sagte die Medizinerin am Donnerstag bei einer Presserunde an der Universitätsklinik. Scheibenbogen leitet dort die Immundefekt-Ambulanz.
Unter Long Covid versteht man Beschwerden, die jenseits der akuten Krankheitsphase von vier Wochen fortbestehen oder dann neu auftreten. Post Covid beschreibt das Krankheitsbild mehr als zwölf Wochen nach der Corona-Infektion. Die Symptome sind sehr uneinheitlich. In der Patientenleitlinie geht es etwa um Atemnot und Husten, Müdigkeit, Schlafstörungen, Erschöpfung, aber auch um Sorgen und Traurigkeit.
Scheibenbogen forscht schon lange zur Myalgischen Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) - einer der schwersten Langzeitfolgen von Long Covid. Für diese Krankheit ist charakteristisch, dass sich der Zustand nach geringer Anstrengung deutlich verschlechtert. Viele der Schwerkranken seien komplette Pflegefälle, sagte die Wissenschaftlerin. Oft gebe es auch nach vielen Monaten keine Besserung. «Das zeigen auch unsere Studien. Wenn Sie ME/CFS haben nach Covid, dann sind sie nach zwei Jahren noch anhaltend genauso schwer krank.» Die Patienten der Beobachtungsstudie waren den Angaben zufolge «überwiegend junge Menschen». Wie viele Menschen insgesamt von ME/CFS betroffen sind, ist der Medizinerin zufolge nicht klar. Sie gehe aber von einer hohen Zahl aus.