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Wildwechsel im Herbst: Warum Autofahrer in Brandenburg jetzt besonders aufpassen müssen

Wildwechsel im Herbst: Warum Autofahrer in Brandenburg jetzt besonders aufpassen müssen
Quelle: Pixabay
Die Tage werden kürzer, der Berufsverkehr rollt bald wieder durch die Dämmerung. Für Reh, Wildschwein und Hirsch ist das die aktivste Zeit des Tages. Auf Brandenburgs Landstraßen steigt damit das Risiko für Wildunfälle deutlich.

Wer morgens zwischen Wald und Feld unterwegs ist, kennt das Bild: Nebel liegt über den Wiesen, die Scheinwerfer reichen kaum bis zur nächsten Kurve, und am Straßenrand leuchten plötzlich zwei Augen auf. Im Oktober und November häufen sich solche Begegnungen. Mit der Umstellung auf die Winterzeit am 25. Oktober rutscht zudem der Feierabendverkehr schlagartig in die Abenddämmerung. Genau dann sind viele Wildtiere auf den Beinen.

Gerade in Brandenburg ist das kein Randthema. Das Land ist dünn besiedelt, waldreich und von Alleen und Landstraßen durchzogen, die direkt an Feldkanten und Kiefernforsten entlangführen. Für Pendler aus dem Berliner Umland, aus der Uckermark oder der Lausitz gehören solche Strecken zum Alltag. Auf manchen Abschnitten erinnern Kreuze oder Markierungen am Straßenrand an frühere Zusammenstöße mit Wild.

Warum das Wild gerade jetzt die Straße quert

Nach der Ernte fehlt auf den Feldern die Deckung. Rehe und Wildschweine wechseln deshalb häufiger zwischen Äckern und Wäldern, um Nahrung und Schutz zu finden. Beim Damwild beginnt im Herbst außerdem die Brunft, die Tiere sind dann unruhiger und weniger vorsichtig. Hinzu kommt, dass Wild selten allein unterwegs ist. Wer ein Reh über die Fahrbahn springen sieht, sollte mit Nachzüglern rechnen.

Wie groß die Bestände sind, lässt sich an den Abschusszahlen ablesen. Die aktuellen Jagdstrecken für Wildschweine, Rehe und Hirsche zeigen, dass im vergangenen Jagdjahr in Brandenburg rund 116.000 Paarhufer gezählt wurden. Bundesweit meldete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft für 2024 rund 276.000 Wildunfälle. Der Deutsche Jagdverband geht davon aus, dass jedes Jahr mehr als eine Million Wildtiere im Straßenverkehr sterben.

Sehen und gesehen werden in der Dämmerung

In der Dämmerung arbeitet das Auge an seiner Grenze. Kontraste verschwimmen, Bewegungen am Fahrbahnrand werden später wahrgenommen, und entgegenkommende Scheinwerfer blenden auf nassen Straßen stärker als bei Trockenheit. Mit den Jahren lässt die Anpassung an wechselnde Lichtverhältnisse ohnehin nach, oft schleichend und ohne dass Betroffene es selbst bemerken. Wer abends unsicherer fährt als früher, häufiger geblendet wird oder Schilder erst spät lesen kann, sollte seine Augen prüfen lassen. Ob eine neue Brille oder entspiegelte Gläser die Sicht verbessern, klärt ein Besuch beim Augenarzt oder ein Sehtest beim Optiker eyes and more in der Nähe. Auch saubere Scheiben und richtig eingestellte Scheinwerfer machen in der dunklen Jahreszeit einen spürbaren Unterschied.

Bremsen statt ausweichen

Wildtiere können die Geschwindigkeit eines Autos nicht einschätzen und warten nicht ab, bis der Wagen vorbeigefahren ist. Steht ein Tier am Straßenrand oder auf der Fahrbahn, empfehlen Verkehrsexperten eine klare Reihenfolge: Fernlicht abblenden, weil geblendete Tiere oft wie erstarrt stehen bleiben, dann hupen und kontrolliert bremsen. Lässt sich ein Zusammenstoß nicht mehr verhindern, heißt es Lenkrad festhalten und Spur halten. Hektische Ausweichmanöver enden auf Alleen schnell am Baum oder im Gegenverkehr und sind meist gefährlicher als der Aufprall selbst.

Nach einem Unfall gehören Warnblinkanlage, Warnweste und Warndreieck zu den ersten Handgriffen. Die Polizei muss in jedem Fall verständigt werden, auch wenn niemand verletzt wurde. Über sie oder direkt beim zuständigen Jäger gibt es eine Wildschadenbescheinigung, die die Teilkaskoversicherung in der Regel verlangt. Das tote Tier darf keinesfalls mitgenommen werden, sonst droht eine Anzeige wegen Wilderei. Verletzte Tiere sollte man nicht anfassen, da sie sich wehren können. Ausführliche Hinweise zum richtigen Verhalten nach einem Wildunfall hat der große Automobilclub zusammengestellt.

Jede Meldung hilft

Für Brandenburg hat das Thema noch eine weitere Dimension. Seit 2020 kämpft das Land gegen die Afrikanische Schweinepest, tote Wildschweine sind deshalb auch für die Veterinärämter von Interesse. Wer ein überfahrenes Tier entdeckt, kann den Fund über eine bundesweite Datenbank für Wildunfälle und Tierfunde melden, auch bequem per App. Wissenschaftler werten die Daten aus, um Unfallschwerpunkte zu erkennen und Straßen langfristig sicherer zu machen. Gemeldete Wildschweinkadaver werden dabei automatisch an das Friedrich-Loeffler-Institut weitergeleitet.

Bis aus solchen Auswertungen Grünbrücken, Wildschutzzäune oder neue Tempolimits werden, vergeht allerdings Zeit. Auf der morgendlichen Fahrt durch den Nebel hilft deshalb vorerst das, was schon immer am besten funktioniert hat: dort früher vom Gas gehen, wo das gelbe Schild mit dem springenden Hirsch steht, und fest damit rechnen, dass hinter dem ersten Reh noch ein zweites kommt.