Überreste von KZ-Mauer werden Gedenkort in Oranienburg
Eine rund 60 Meter lange Mauer erinnert mitten in Oranienburg an eines der ersten Konzentrationslager der Nationalsozialisten. An dieser Stelle wurde ein neugestalteter Erinnerungsort eingeweiht: Von nun an erzählen Informationstafeln mit historischen Bildern und Texten die Geschichte des Lagers und seiner Häftlinge. Brandenburgs Ministerpräsident nahm an der Einweihung der Gedenkstätte teil. «Der rasche Weg der Nationalsozialisten zur Macht führt uns vor Augen, wie verletzlich eine Demokratie sein kann», sagte Dietmar Woidke (SPD) in seiner Rede. «Auch unsere Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Auch unsere Demokratie steht unter Druck und unsere Demokratie wird von innen, aber auch von außen angegriffen.» Das KZ Oranienburg wurde 1933 auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei eingerichtet. Nach Angaben der Stadt war es das erste Konzentrationslager dieser Art in Preußen. Bis zu seiner Auflösung im Juli 1934 waren dort rund 3.000 Menschen inhaftiert. Zu ihnen gehörten politische Gegner der Nationalsozialisten und jüdische Gefangene. Mindestens 16 Häftlinge kamen ums Leben. Zu den Opfern gehörte auch der Schriftsteller Erich Mühsam. Er war als scharfer Kritiker der Nationalsozialisten bekannt und wurde im Juli 1934 im Lager ermordet. Ein eigener Bereich des neuen Erinnerungsorts ist ihm gewidmet. Auf einer Tafel sind Fotos von Mühsam und seiner Frau sowie historische Dokumente zu sehen. «Kennst du das Land, wo die Faschisten blühen?», zitierte Woidke in seiner Rede die Zeilen aus einem Gedicht von Mühsam. «Dahin geht Deutschlands Weg.» Die Ausstellung im Freien soll die Geschichte des frühen NS-Terrors mitten in der Stadt sichtbar machen. Auf den Tafeln erfahren Besucher auch, wie die Wachmannschaften Häftlinge misshandelten und die Lagerleitung versuchte, Todesfälle zu vertuschen. Die Informationen sind auf Deutsch und Englisch zu lesen. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenAuch Fotos vom Schriftsteller Erich Mühsam zu sehen