Nach Einschätzung der DDR-Bürgerrechtlerin Marianne Birthler müssen 35 Jahre nach dem Mauerfall neue Mauern überwunden werden. «Ich meine nicht die zwischen links und rechts und auch nicht zwischen Ost und West und auch nicht zwischen oben und unten», sagte die ehemalige Leiterin der Stasi-Unterlagen-Behörde der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Sondern ich meine die Mauer zwischen den Leuten, die die Demokratie verteidigen, und denen, die sie versuchen abzuschaffen. Das ist das, was mich am meisten beschäftigt, hierzulande und auch eigentlich weltweit.»
Birthler weiter: «Damals war das einfach der große Traum, in Freiheit und Demokratie zu leben, aber das hat sich bei vielen Leuten offenbar geändert. Weil Freiheit ist ja auch unbequem, macht ja manchen auch Angst. Und deswegen gehen sie leicht Leuten auf den Leim, die ihnen einfache Lösungen anbieten, die es ja nicht gibt.» Um die Demokratie zu verteidigen und zu bewahren, sei zum einen die Politik gefragt, die gute Arbeit leisten und ein Vorbild sein müsse, auch was ihre Kommunikation betrifft. «Aber das ist auch etwas, wo wir alle beitragen können, auch die Medien mit Verlaub.»