Musiker des Berliner Projekts «Lebensmelodien» haben in Prag ein Konzert für Holocaust-Überlebende gegeben. Im Kuppelsaal der deutschen Botschaft versammelten sich als Gäste rund 50 Zeitzeugen des nationalsozialistischen Terrors sowie Nachfahren von NS-Opfern. «Das hier, das ist etwas ganz anderes und sehr besonderes für uns», sagte der Leiter des Projekts, Michael Raddatz. Der evangelische Pfarrer ist Superintendent des Kirchenkreises Tempelhof-Schöneberg. Ziel der «Lebensmelodien» ist es, jüdische Musikwerke aus der Zeit des Holocaust zu entdecken und aufzuführen.
Unter den Gästen war Michaela Vidlakova, die als Kind gemeinsam mit ihren Eltern im Ghetto Theresienstadt festgehalten wurde. Dort waren auch zahlreiche jüdische Komponisten interniert, die weiter Musik schufen. «Die Fähigkeit zu haben, unter diesen schweren Bedingungen an Kunst zu denken, ist für mich ein Wunder», sagte die 88-Jährige rückblickend.
Statt sich in den seltenen Päckchen von außen Essen zuschicken zu lassen, hätten manche Musiker um Notenpapier gebeten. Sie selbst habe während ihrer Lagerzeit die in Theresienstadt geschriebene Kinderoper «Brundibar» gesehen.