Beauftragte will Jugend verstärkt über SED-Unrecht aufklären
Brandenburgs künftige Beauftragte für die Folgen der SED-Diktatur, Linda Teuteberg, setzt auf mehr Aufklärung junger Leute über das DDR-Unrecht. «Ich halte es für dringend notwendig, dass wir das Wissen um das Wesen und die Folgen kommunistischer Diktaturen in nächste Generationen tragen», sagte Teuteberg der Deutschen Presse-Agentur. «Ich habe schon sehr bewusst als Kind die friedliche Revolution und den Mauerfall und als Jugendliche den Prozess der Wiedervereinigung wahrgenommen.» Die FDP-Vizechefin war vom Brandenburger Landtag in der vergangenen Woche zur Aufarbeitungsbeauftragten gewählt worden. Die Aufklärung über die Folgen kommunistischer Diktaturen bis heute hält sie für einen Schwerpunkt. «Es braucht viel Kreativität, um mehr junge Menschen zu erreichen. Damit sie heute und in Zukunft nicht anfällig sind für Ideen, die auf ähnliche Unterdrückung hinauslaufen», sagte Teuteberg. «Dafür ist es enorm wichtig, über die Mechanismen aufzuklären und darüber, wie existenziell eine Diktatur in das persönliche Leben eingreift und wie wertvoll die Freiheit ist, die heute viele für selbstverständlich halten.» Die künftige Beauftragte wirbt für ein «gesamtdeutsches Gedächtnis». «Die Geschichte der DDR ist nicht nur Regionalgeschichte der Ostdeutschen, sondern Teil der gesamtdeutschen Geschichte. So wie auch die Geschichte von Mittel- und Osteuropa Teil der gesamteuropäischen Geschichte ist», sagte Teuteberg. «Eine gemeinsame Zukunft braucht ein gemeinsames Gedächtnis - national und europäisch. Wir brauchen einen erneuerten antitotalitären Konsens.» Einen anderen Schwerpunkt sieht Teuteberg darin, den Betroffenen von Unrecht aus der Zeit der sowjetischen Besatzungszone und der SED-Diktatur in Brandenburg eine Stimme zu geben und für kompetente Beratung zu sorgen. «Der Beratungsbedarf ist weiterhin hoch», sagte sie. «Auch und gerade für Menschen, die durch politische Verfolgung gesundheitliche Folgeschäden erlitten haben.» Teuteberg warnte vor Verharmlosung der DDR-Geschichte. «Das eine sind die persönlichen Erinnerungen und ist das Land als Region, aus der man kommt, als Heimat, mit der man sich verbunden fühlt», sagte sie. Aber: «Der SED-Staat war eine Diktatur und ein Unrechtsstaat - und zwar von Anfang an.» Das klar zu benennen, sei keine Verurteilung der ihm unterworfenen Menschen. «Sie hatten keine freie Wahl und den schwereren Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte zu tragen. Es gilt, sich nicht auch noch nachträglich von diesem politischen System und damit von seinen früheren Unterdrückern vereinnahmen zu lassen.» Die 45-Jährige ist die erste Aufarbeitungsbeauftragte, die nicht aktiv in der Bürgerbewegung der DDR war. Die Anwältin und FDP-Vizechefin weiß nach eigenen Worten ihr Amt von der Parteiarbeit zu trennen: «Das eine ist ein politisches Ehrenamt, das andere ist eine hauptamtliche Funktion», sagte Teuteberg. «Es gehört nach unserem Grundgesetz dazu und das aus guten Gründen, dass Menschen sich in Parteien engagieren und öffentliche Ämter ausüben.» Teuteberg übernimmt die Aufgabe von Maria Nooke, die vorzeitig in Ruhestand geht, formell Anfang Dezember. Die Beauftragte unterstützt und berät Menschen, die durch die sowjetische Besatzung (1945-1949) und die DDR-Diktatur (1949-1990) politisch verfolgt oder geschädigt wurden. Teuteberg war Abgeordnete des Brandenburger Landtags und später des Bundestags. Sie ist auch stellvertretende Vorsitzende des Vereins Gegen Vergessen - Für Demokratie. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenBeauftragte sieht hohen Beratungsbedarf
Teuteberg: Nicht von Unterdrücken vereinnahmen lassen
Neue Aufgabe beginnt Anfang Dezember