Logo DieBrandenburger News

Von Quantencomputern bis Recycling: Das sind Brandenburgs Innovationspreisträger 2026

Preisverleihung
Gewinner des Brandenburger Innovationspreis 2026 (Bild: Dirk Enders)
Drei Unternehmen aus Cottbus, Potsdam und Neuenhagen haben den Brandenburger Innovationspreis 2026 gewonnen. Ihre Ideen reichen von einem Spezialmaterial für Quantencomputer über KI für psychische Gesundheit bis zu einer Anlage, die Sand und Kies aus Bauabfällen zurückgewinnt.

Potsdam. Drei Unternehmen aus Brandenburg sind mit dem Brandenburger Innovationspreis 2026 ausgezeichnet worden. Die Preise gingen an die quantum grade materials GmbH aus Cottbus, die Aury Care GmbH aus Potsdam und die Nehlsen Berlin-Brandenburg GmbH & Co. KG aus Neuenhagen. Wirtschaftsministerin Martina Klement überreichte die Auszeichnungen am Freitag, 25. September, im fx.center in Potsdam-Babelsberg.

Der Wettbewerb wurde in diesem Jahr erstmals in den drei Kategorien NEUES.SCHAFFEN, FOKUS.SETZEN und KRAFT.ENTFALTEN ausgetragen. Neben der Bewertung einer Fachjury unter Vorsitz von Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer floss auch ein Online-Voting der Öffentlichkeit in die Entscheidung ein.

Zu den Unterstützern des Wettbewerbs gehört die Berliner Volksbank. Sie will ihr Engagement am 6. Oktober mit einer Netzwerkveranstaltung in Potsdam fortsetzen, bei der Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über Innovation und die Zukunft des Mittelstands diskutieren sollen.

„Sternenstaub“ aus Cottbus soll Quantencomputer voranbringen

In der Kategorie NEUES.SCHAFFEN gewann die quantum grade materials [qgm] GmbH aus Cottbus. Hinter dem Namen „Sternenstaub“ steckt ein patentiertes Verfahren zur Herstellung von hochreinem Silizium-28.

Das Material ist für bestimmte Halbleiter-Quantencomputer interessant. Qgm hat nach Angaben des Wirtschaftsministeriums ein Verfahren entwickelt, mit dem Silizium-28 aus einem frei verfügbaren Ausgangsstoff gewonnen und für eine industrielle Nutzung aufbereitet werden kann. Das Unternehmen bezeichnet sich als ersten kommerziellen Anbieter auf diesem Gebiet.

Die Wurzeln des Unternehmens liegen auch in der Forschung an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Dort arbeitete das Team um Projektleiter Owen C. Ernst an Verfahren für isotopenreine Halbleiter. Ein vom Bund gefördertes Forschungstransfer-Projekt beschäftigte sich unter anderem mit der Skalierung der Herstellung von Silizium-28-Verbindungen und bereitete die Unternehmensgründung vor.

Cottbus entwickelt sich damit weiter als Standort für Forschung und technologieorientierte Unternehmen. Erst im September startete in der Lausitz ein mit 15 Millionen Euro gefördertes Forschungsprojekt, das Künstliche Intelligenz und Mikroelektronik verbinden soll. DIE BRANDENBURG NEWS berichtete darüber: 15 Millionen Euro für KI-Plattform-Forschung in der Lausitz.

Potsdamer Aury Care gewinnt mit KI für mentale Gesundheit

Die Kategorie FOKUS.SETZEN ging an die Aury Care GmbH aus Potsdam. Das Unternehmen entwickelt eine KI-Plattform, die Menschen bei Fragen rund um psychisches Wohlbefinden und Stress unterstützen soll.

Das System arbeitet mit mehreren spezialisierten KI-Agenten, die Gespräche planen, begleiten und unterschiedliche Methoden auswählen können. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wurde die Technik bereits mit mehr als 2.000 Nutzern getestet.

Bei der medizinischen Einordnung ist allerdings eine Unterscheidung wichtig. Das Wirtschaftsministerium beschreibt die Entwicklungsperspektive bis hin zur klinischen Versorgung. Aury selbst weist derzeit ausdrücklich darauf hin, dass sein aktuelles Angebot kein Medizinprodukt ist und nicht zur Diagnose oder Behandlung psychischer Erkrankungen verwendet werden darf. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben an einer späteren Medizinprodukt-Zertifizierung.

Aury sitzt in Potsdam und arbeitet nach eigenen Angaben unter anderem mit Psychologen und Forschern an der Weiterentwicklung der Plattform. Die Anwendung soll professionelle psychologische oder psychiatrische Behandlung nicht ersetzen.

MineralCycle holt Sand und Kies aus Bauabfällen zurück

Der dritte Preis ging nach Neuenhagen. Die Nehlsen Berlin-Brandenburg GmbH & Co. KG gewann mit ihrer Anlage MineralCycle die Kategorie KRAFT.ENTFALTEN.

Das Verfahren soll Sand und Kies aus wässrigen mineralischen Bauabfällen zurückgewinnen. Vier Verarbeitungslinien behandeln unterschiedliche Abfallströme. Anschließend werden die mineralischen Bestandteile getrennt und das eingesetzte Wasser in einem geschlossenen Kreislauf aufbereitet. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums kommt die Anlage ohne chemische Reaktionen und ohne zusätzlichen Frischwasserverbrauch aus.

Für Bauunternehmen und Kommunen kann das interessant sein, weil Materialien, die sonst entsorgt werden müssten, erneut als Recycling-Baustoff eingesetzt werden können. Zugleich soll weniger mineralischer Abfall auf Deponien landen.

Die drei Preisträger zeigen damit sehr unterschiedliche Bereiche der Brandenburger Wirtschaft: Hochtechnologie aus der Lausitz, ein digitales Gesundheitsangebot aus Potsdam und Kreislaufwirtschaft aus dem Berliner Umland.

Berliner Volksbank lädt Mittelstand zum Austausch nach Potsdam

Die Berliner Volksbank begleitet den Innovationspreis als Sponsor. Nach Angaben der Bank soll am 6. Oktober ein weiteres Treffen im Firmenkunden-Beratungscenter in Potsdam stattfinden. Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft sollen dort über Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft mittelständischer Unternehmen sprechen. Erwartet wird auch Hendrik Fischer, Staatssekretär im Brandenburger Wirtschaftsministerium und Vorsitzender der Jury des Innovationspreises.

Ewa Andrzejuk-Nölte, Leiterin Firmenkunden sowie Gründungs- und Nachfolgefinanzierung der Berliner Volksbank für Brandenburg, erklärt zum Wettbewerb: „Der Brandenburger Innovationspreis macht sichtbar, welche Innovationskraft in den Unternehmen unseres Landes steckt. Hinter jeder erfolgreichen Innovation stehen Menschen, die neue Ideen entwickeln und diese mit Mut, Fachwissen und unternehmerischem Engagement in die Praxis umsetzen. Solche Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit Brandenburgs“.

Die Bank begleitet nach eigenen Angaben Unternehmen von der Gründung über Wachstumsfinanzierungen bis zur Unternehmensnachfolge. Der Innovationspreis ist dabei Teil eines größeren Netzwerks aus Unternehmen, Förderinstitutionen, Wissenschaft und Politik.

Brandenburg setzt seit einigen Jahren verstärkt auf solche Strukturen. Unter anderem fördert das Land sechs neue Start-up-Zentren in Potsdam, Beeskow, Cottbus, Wildau, Bad Belzig und Strausberg bis 2028 mit mehr als 17 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln. Im Jahr 2025 begleitete die Wirtschaftsförderung Brandenburg zudem 310 Unternehmensprojekte mit einem Investitionsvolumen von fast 3,2 Milliarden Euro.