Südbrandenburg: In Schipkau entsteht mit 365 Metern das höchste Windrad der Welt
In Südbrandenburg soll sich das höchste Windrad der Welt drehen. Die Bauarbeiten an dem gigantischen Turm, der 365 Meter erreichen soll, sind laut Unternehmen Gicon so gut wie abgeschlossen. An dem Standort in Schipkau in der Kohleregion der Lausitz wollen die Entwickler des Projekts einen Weltrekord ausrufen. Aber der Zeitplan für die entscheidende Phase verzögert sich wegen des Wetters und starker Winde. Statt wie geplant an diesem Sonntag soll der Koloss nun im Laufe der kommenden Woche auf die finale Höhe wachsen, wie das Unternehmen in Dresden erklärte. Ein Bürgerfest sollte dennoch wie geplant heute gefeiert werden. In den kommenden Jahren muss sich dann noch zeigen, ob der XXL-Prototyp mit dem Ziel eines höheren Stromertrags Schule macht und Windparks damit aufgerüstet werden. Die Entwickler sprechen von einer Pionierleistung und nennen es ein Schlüsselprojekt für die Energiewende. Das Windrad, das in einem bestehenden Windpark hochgezogen wurde, gilt als Innovation. Sie besteht aus einer Art Gitterturm und einer Stahlkonstruktion, die eher an Strommasten erinnert. «Mit über 2.000 Tonnen verbautem Stahl und 22.000 Einzelteilen ist der Gittermast ein ingenieurtechnisches Meisterstück», schwärmt Gicon. Die Turbine wurde zunächst in gut erreichbarer Höhe montiert. Dann muss sie mit dem Innenturm mit einem Teleskopmechanismus in die finale Position gehoben werden. Dazu kommen natürlich große Rotorblätter, die anders als geplant wegen des Wetters noch nicht montiert werden konnten. Die Nabenhöhe der Anlage beträgt laut Gicon 300 Meter, die Gesamthöhe erreicht dann 365 Meter. Zum Vergleich: Bislang gilt der Berliner Fernsehturm mit 368 Metern als das höchste Bauwerk Deutschlands. Auch nach derzeitiger Einschätzung des Bundesverbandes Windenergie handelt es sich um das größte Windrad der Welt. Windenergieanlagen herkömmlicher Art haben eine Nabenhöhe von deutlich unter 200 Metern. Allerdings stehen laut Windenergie-Verband vor allem in Süddeutschland, wo es weniger Wind als etwa im Norden gibt, bereits besonders hohe Windräder. Max Bögl habe kürzlich einen 199 Meter hohen Hybridturm als Serienprodukt auf den Markt gebracht. Mit Rotorblättern seien die Anlagen insgesamt 280 Meter hoch, so der Verband. Die Gicon Gruppe mit Hauptsitz in Dresden baut den Windturm im Auftrag der 2019 gegründeten Bundesagentur für Sprunginnovationen. Sie soll bahnbrechenden Ideen zum Durchbruch verhelfen und kann sie staatlich fördern. «SPRIND will die Brücke bauen zwischen Forschergeist und Unternehmertum», schreibt die Bundesagentur in Leipzig. Sie hat seit ihrer Gründung nach eigenen Angaben mehr als 300 Projekte gefördert. «Unsere Finanzierung bewegt sich typischerweise im einstelligen Millionenbereich, kann aber im Einzelfall bis zu 35 Millionen Euro betragen», teilt die Bundesagentur auf ihrer Homepage mit. Die Höhe der gesamten Investitionskosten für den Höhenwindturm nennt Gicon nicht. In größeren Höhen herrschen in der Regel stärkere und gleichmäßigere Windverhältnisse. Dadurch könne der riesige Windturm bei gleichem Rotordurchmesser etwa den doppelten Energieertrag einer konventionellen Windenergieanlage erzielen, so Gicon. Es ist von einer konstanteren Einspeisung die Rede. Erneuerbare Energie soll so auch an Standorten mit geringem Windaufkommen besser erzeugt werden können. Der Höhenwindturm soll einmal Strom für bis zu 7.500 Haushalte produzieren können. Die Pilotanlage wird dem Unternehmen zufolge mit einer Nennleistung von 3,8 Megawatt in Betrieb genommen. Zukünftige Anlagen sollen laut Unternehmen mehr als 7 Megawatt erreichen. Zudem könnten Höhenwindtürme künftig innerhalb bereits bestehender Windparks errichtet werden und so zusätzliche Energie liefern, ohne neue Flächen außerhalb dieser Parks in Anspruch zu nehmen, hieß es. Das Projekt in Südbrandenburg bezeichnet der Windenergie-Verband zunächst vor allem als Machbarkeitsdemonstration: Der Gittermastturm sei kein Serienprodukt. «Entscheidend wird deshalb sein, welche Betriebsdaten die Anlage liefert und ob sie die in den Windgutachten prognostizierten Erträge tatsächlich erreicht», so der Verband. Gicon plant jedoch, Anfang der 2030er-Jahre mit der Serienfertigung zu beginnen. Allein in Deutschland bestehe derzeit das Potenzial, bis zu 4.000 Höhenwindtürme in bereits bestehenden Windparks als sogenannte «zweite Etage» nachzurüsten, so der Entwickler. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Sprunginnovationen werde ein Konzept für die zukünftige Vermarktung der Technologie erarbeitet. «Hierzu stehen wir bereits in engem Austausch mit mehreren potenziellen Partnern und Interessenten aus der Windenergiebranche.» Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenWas ist das Besondere am Höhenwindturm?
Handelt es sich tatsächlich um das höchste Windrad der Welt?
Wer ist noch beteiligt an der Pilotanlage?
Warum wird ein Windrad in dieser Höhe gebaut?
Meilenstein für die Zukunft der Windparks?