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Prequel «4 Blocks Zero»: Vorgeschichte der Hamadys in Berlin-Neukölln

Prequel «4 Blocks Zero»: Vorgeschichte der Hamadys in Berlin-Neukölln
Die achtteilige Serie widmet sich der Vorgeschichte der fiktiven arabischen Clanfamilie. / Foto: Julia Terjung/Warner Bros. Discovery / W&B TV/dpa
Das fiktive Gangsterdrama «4 Blocks» räumte viele Preise ab. Jetzt zeigt eine Serie, wie die Hamadys zu einer der einflussreichsten Clanfamilien in Berlin aufgestiegen sind. Wieso das sehenswert ist.

Es ist fast zehn Jahre her, da startete die Gangsterserie «4 Blocks». Sie räumte unter anderem einen Grimme-Preis und mehrere Deutsche Fernsehpreise ab. Schauspieler Kida Khodr Ramadan gelang in seiner Rolle als mächtiger Clanboss Ali «Toni» Hamady der große bundesweite Durchbruch. Nach drei Staffeln war 2019 dann Schluss.

Doch ganz auserzählt ist die Geschichte rund um die Hamadys in Berlin-Neukölln nicht, wenn es nach dem Streamingdienst HBO Max geht. Er widmet der fiktiven arabischen Clanfamilie jetzt eine Vorgeschichte. Zu sehen ist die achtteilige Serie «4 Blocks Zero» ab Freitag (25. September) bei HBO Max, wöchentlich erscheint jeweils eine neue Episode. So viel vorneweg: Das Prequel kann sich mit dem Original messen lassen.

Worum geht es noch einmal in «4 Blocks»?

Zwar muss man «4 Blocks» nicht zwingend gesehen haben, um die Vorgeschichte zu verstehen, hilfreich ist es aber allemal, vom groben Plot schon einmal gehört zu haben. Daher eine kurze Auffrischung. «4 Blocks» startete im Jahr 2017 und dreht sich um die kriminellen Machenschaften der Hamadys, angeführt von Ali Hamady (Ramadan), der «Toni» genannt wird. 

Zwischen Gewalt, Drogengeschäften, organisierter Kriminalität und Stress mit der Konkurrenz kontrollieren seine Leute die titelgebenden «4 Blocks» im Gebiet Neukölln. «Toni» will der Kriminalität eigentlich den Rücken kehren und sich ein legales Leben aufbauen, doch sein aggressiver Bruder Abbas (gespielt von Rapper Veysel) sorgt mit seinem impulsiven Verhalten immer wieder für Probleme. 

Davon handelt die Vorgeschichte «4 Blocks Zero»

Die neue Serie «4 Blocks Zero» reist zurück in die 90er Jahre und wirft einen Blick auf die Anfänge der Hamadys, die als Flüchtlinge aus dem Libanon in die Hauptstadt kommen. Hier lebt Vater Malik (Rami Fadel Khalaf) mit Großmutter Hanin (Fatima Khanfour) und seinen vier Kindern gemeinsam in einer Wohnung in Neukölln - darunter «Toni» (Tareq Nassery), damals noch unter seinem Namen Ali bekannt, und sein Bruder Abbas (Soufiane El Mesaudi).

Die Familie will sich in Berlin eine Existenz aufbauen, doch schnell wird klar: So einfach ist das nicht. Denn sie wird vom Staat nur geduldet und kämpft mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus. Vater Malik arbeitet als ungelernter Koch in einem italienischen Restaurant. Es wird von Albanern betrieben, die sich als Italiener ausgeben, weil Deutsche - so die Argumentation in der Serie - mittlerweile alle gerne italienisch essen, aber niemand albanisches Essen wolle.

Guter Wille scheitert an Bürokratie und Diskriminierung

Immer wieder scheitert der gute Wille der Hamadys, Fuß zu fassen, an der Bürokratie, aber auch an rassistischen und diskriminierenden Erfahrungen im Alltag und beim Amt. Als Ali in der Schule zum Beispiel eine Zwei in Mathe schreibt, wertet der Lehrer - anders als bei seinen Mitschülern - seine Rechtschreibung negativ. Seine Großmutter und Schwester Amara (Siana Zayed) werden beim Einkaufen im Supermarkt herablassend behandelt.

Nun hieße «4 Blocks Zero» nicht so ähnlich wie das Original, wenn es nicht auch schon um kriminelle Geschäfte ginge. Die werden von Alis Onkel Ibrahim (Tariq Al-Saies) angestoßen, der nach einer achtjährigen Haftstrafe im Libanon nach Berlin kommt. Hier fängt er an, mit Koks zu handeln und ruft andere Clans auf den Plan. Immer mehr geraten die Hamadys so in den Strudel krimineller Machenschaften - gegen den Willen von Vater Malik, der seine Familie beschützen und eine legale Existenz aufbauen will. 

Wieso «4 Blocks Zero» gelungen ist

Bei Prequels stellt sich oft mal die Frage: Muss das wirklich sein? Bei «4 Blocks Zero» lautet die Antwort: «Ja». Den Regisseuren Özgür Yıldırım und Hüseyin Tabak gelingt eine packende Serie, die stilistisch an «4 Blocks» anschließt und sie teilweise mit Coming-of-Age-Geschichten verknüpft. Die Staffel geht den Fragen nach, wie und wieso sich die Hamadys später zu einem der einflussreichsten Clans entwickeln. 

Wie im Original wird zwar nicht auf Gangster-Klischees und explizite Gewalt verzichtet, dennoch entwickelt sich im Laufe der acht Folgen eine vielschichtige und gesellschaftskritische Geschichte über Familie, Moral, Loyalität und die Folgen von Ausgrenzung im wiedervereinten Deutschland der 1990er Jahre. 

Das zeigt sich gut an Ali - einem Jugendlichen, der eigentlich vernünftig sein will, dem aber immer wieder Steine in den Weg gelegt werden. An einer Stelle sagt er zu seinem Vater: «Die hassen uns, Baba. Die wollen uns nicht. Auch wenn wir alles richtig machen, wir sind nie genug. Und wenn wir einen Fehler machen, dann springen die wie Scheißlöwen auf uns». Man kann erahnen, wieso er sich später als «Toni» der Kriminalität zuwendet.

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