Brandenburgs Verkehrsminister schlägt Vereinfachung des VBB-Tarifs mit Zeitkarten vor
Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach will die Tarifstruktur im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg ändern und schlägt eine Umstellung auf Zeitkarten vor. «Wir brauchen eine Vereinfachung der jetzigen Tarifstruktur», sagte Crumbach der Deutschen Presse-Agentur. «Wir sollten überlegen, ob Zonen sinnvoller sind oder Flatrates. Ich würde Zeitkarten bevorzugen - ob für eine Stunde, 90 Minuten oder einen Tag.» Bei Flatrates handelt es sich um einen Pauschaltarif mit festem Betrag. Der VBB hat nach eigenen Angaben rund vier Millionen Fahrgäste täglich. Das Tarifsystem ist in Zonen eingeteilt, Berlin umfasst die Bereiche AB und ein Gürtel um Berlin inklusive Potsdam, Königs Wusterhausen und Oranienburg die Zone C. Dazu kommen städtische und regionale Liniennetze. Es gibt unter anderem Einzelfahrausweise, Vier-Fahrten-Karten für bestimmte Städte, sowie Tagestickets, Monatskarten und spezielle Angebote für Schüler und Auszubildende. Ein Einzelfahrticket ist je nach Region eine Stunde bis zwei Stunden gültig. Die vorgeschlagene Reform könnte nach Ansicht des Ministers auch dazu führen, dass einzelne Tickets mehr oder weniger kosten. «Unter dem Strich soll es nicht teurer werden, es kann aber sein, dass einzelne Fahrten teurer oder preiswerter werden», sagte Crumbach. «Für Gelegenheitsfahrer gäbe es Zeitkarten, für Pendler das Deutschlandticket.» Eine Fahrkarte, die im gesamten VBB-Bereich gilt, wäre dann nach Zeitdauer gestaffelt. Sein Ziel: «Es soll ein Anreiz geschaffen werden, ein Deutschlandticket zu kaufen.» Der Aufsichtsrat des VBB kommt an diesem Donnerstag nach Angaben eines Sprechers zu Beratungen über höhere Tarifpreise zusammen. Zuletzt wurden die VBB-Tarife Anfang dieses Jahres um sechs Prozent im Durchschnitt erhöht. Der Einzelfahrausweis erhöhte sich dadurch zum Beispiel in Berlin und Potsdam um je 20 Cent auf 4 Euro in Berlin AB und auf 3 Euro in Potsdam. Brandenburgs Verkehrsminister will vor allem ländliche Gebiete besser ins System einbauen. «Es ist wichtig, dass man sich über die bisherigen Grenzen hinwegbewegen kann. Wir müssen unseren ländlichen Raum und auch weiter entfernte kreisfreie Städte wie Cottbus und Frankfurt (Oder) gut in das System integrieren», sagte Crumbach. «Ich will, dass die Menschen in den Landkreisen auch partizipieren. Dafür braucht man keine Waben. Das AB-Ticket in Berlin ist im Moment möglicherweise zu günstig.» Auch das Bezahlen muss aus seiner Sicht einfacher werden. «Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man künftig wie in London eine digitale Karte oder Geldkarte beim Einsteigen und Aussteigen vor den Automaten hält», sagte der SPD-Politiker. In London kann man Fahrausweise per Handy oder einer speziellen Karte zahlen. Der Vorsitzende des VBB-Aufsichtsrates, Berlins Verkehrsstaatssekretär Arne Herz, will einer Debatte nicht vorgreifen, zeigt sich aber grundsätzlich offen. «Aber im Interesse der Nutzer unterstützen wir eine verständliche und einfache Tarifstruktur so wie wir das Deutschlandticket als Erfolgsmodell sehen», sagte Herz der dpa. «In Berlin setzen wir bereits darauf, in der Zukunft ticket- und bargeldlos und digital unterwegs zu sein. Allerdings gilt auch hier, dass wir nicht ausschließlich digitale Bezahlmöglichkeiten anbieten wollen, um niemanden auszuschließen.» Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenMinister: Einzelne Fahrkarten könnten teurer werden
Crumbach: Ländlicher Raum soll besser beteiligt sein
Aufsichtsratschef unterstützt einfache Tarifstruktur