Brandenburg: Bauernverband fordert Gegenmaßnahmen gegen Fraßschäden durch Zugvögel
Schwärme von Wildgänsen, Kranichen und Krähen grasen Felder ab, fressen das Saatgut vom Acker: Der Landesbauernverband in Brandenburg beklagt wachsende Schäden durch Zug- und Rastvögel und fordert das Land zum Eingreifen auch in Vogelschutzgebieten auf. Es meldeten sich zunehmend Landwirte, die sich alleingelassen fühlten, sagte Bauernpräsident Henrik Wendorff. Die Folgen der Fraß- und Trittschäden sowie durch Kot auf den Feldern könnten existenzgefährdend sein. Betroffen seien vor allem das Havelland, der Oderbruch und die Prignitz. Auch das Agrarministerium sieht in Zeiten, die ohnehin für die Landwirte wirtschaftlich schwierig sind, eine zusätzliche Belastung. «Das Land hat in den letzten Jahren dem Wachstum der Wildvogelbestände tatenlos zugesehen. Jetzt ist das Ausmaß der Schäden so groß geworden, dass ein landesweites und wirksames Management aufgesetzt werden muss, das den rechtlichen Rahmen zur gezielten Vergrämung und Entnahme voll ausschöpft», sagte Wendorff. Die gemeldeten Schadenssummen reichen laut Bauernverband von 3.000 Euro bis hin zu 300.000 Euro pro Betrieb. In Vogelschutzgebieten könnten die Tiere «weder wirksam und rechtssicher» vergrämt, geschweige denn bejagt werden, heißt es in einem Positionspapier des Verbandes. Eine Entschädigung für die Schäden stehe nicht zur Verfügung. Es müssten nun Lösungen entwickelt werden, die sowohl den Anforderungen des Arten- und Naturschutzes als auch den berechtigten Interessen der Landwirtschaft gerecht würden. Es gehe nicht zuerst um den Abschuss von Vögeln, betonte Bauernpräsident Wendorff. Ablenkfütterungen, Vergrämung und Schreckschüsse könnten auch Maßnahmen sein. «Es geht darum, gute Ideen zu entwickeln.» Derzeit machen Zehntausende Kraniche auf ihrem Flug in den Süden Rast in Brandenburg. Sie sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der europäischen Vogelschutzrichtlinie eine geschützte Art. Ihr Bestand gilt aber nicht als gefährdet. Aus Sicht des Agrarministeriums könnte ein zukünftiges Projekt in einer Modellregion geprüft werden, um dort Fraßschäden mit bestimmten Methoden zu verringern. Dafür biete sich die Untere Havellniederung an, hieß es. In den 90er Jahren wurden in drei Regionen bereits Projekte umgesetzt. Kernpunkt sei gewesen, Flächen für Gänse unattraktiv zu gestalten und sie von dort zu vergrämen. Zugleich seien Ausweichflächen aufgewertet worden, auf denen Gänse ungestört hätten fressen können, ohne Schaden zu verursachen, teilte das Ministerium mit. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenBauernverband: Bis zu 300.000 Euro Schaden
Wendorff: Geht nicht nur um den Abschuss
Ministerium offen für mögliche Modellregion