Ein ehemaliger Truppenübungsplatz im Müritz-Nationalpark, Mecklenburg-Vorpommern, Ende Juni: Ein Waldbrand breitet sich auf mehr als 100 Hektar Fläche aus. Derselbe Nationalpark, eine andere ehemalige Militärfläche, im Juli: Ein Waldbrand erfasst rund 400 Hektar. Ein früherer Truppenübungsplatz bei Jüterbog in Brandenburg, Ende Juli: 250 Hektar Wald stehen in Flammen. Die Löscharbeiten gestalten sich in allen drei Fällen schwierig, weil die Flächen unter Kampfmittelverdacht stehen und Menschen deshalb nicht näher als 1.000 Meter an die Feuer herandürfen.
«Innere Erschließung»
Müller empfiehlt ein Umdenken. Auch in Schutzgebieten sollte eine «innere Erschließung» der Wälder vorgenommen werden, rät der Experte. Wege und andere Strukturen, die das Ausbreiten eines Bodenfeuers stoppen können und der Feuerwehr ein schnelles Handeln ermöglichen, sollten demnach gewährt werden.
Das müsse den Naturschutzinteressen nicht entgegenstehen, meint er. Wie intensiv diese Erschließungen sind, müsse festgelegt werden und hänge von den Gegebenheiten vor Ort ab - etwa davon, welche Baumarten vorkommen, wie die Waldstruktur ist oder wie die Topographie aussieht.
«Naturschutzgedanke wird zunichtegemacht»
Große Waldbrände wie zuletzt jene bei Jüterbog und im Müritz-Nationalpark können und müssen aus Sicht von Müller vermieden werden. «Große Waldbrände machen den Naturschutzgedanken auf Jahrzehnte zunichte», sagt er. Anders als etwa in Australien oder den Rocky Mountains gehörten Waldbrände in Deutschland nicht zum Ökosystem. Das wisse man aus Boden- und Waldanalysen und etwa auch der Tatsache, dass es hierzulande keine Organismen gebe, die an häufig wiederkehrende Feuer angepasst seien.
Auch handele es sich bei einem großen Waldbrand immer um einen Fall von Umweltverschmutzung. Feinstaub, Treibhausgase wie Kohlendioxid würden freigesetzt, ebenso Gifte wie Kohlenmonoxid, Furane und Dioxine. «Waldbrandrauch ist giftig», sagt der Experte. Es gebe also gute Gründe, Waldbrände zu vermeiden oder möglichst klein zu halten.