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Experte: Müssen Waldbrandschutz an Wohngebieten stärken

Experte: Müssen Waldbrandschutz an Wohngebieten stärken
Wie gefährlich können Waldbrände für Wohngebiete werden? (Symbolbild) / Foto: Frank Hammerschmidt/dpa
Von: DieBrandenburger News
Ein Ackerbrand in Neuruppin kam gefährlich nah an Wohnhäuser. Künftig müssen Schutzkonzepte zwischen Wald und nahen Wohngebieten aus Experten-Sicht stärker in den Fokus rücken.

Der Waldbrandschutz in Brandenburg sollte nach der Einschätzung eines Experten an den Übergängen zwischen Wohnbebauung und Wald vorangetrieben werden. «Darauf muss das Augenmerk gerichtet werden in den kommenden Jahren», sagte der stellvertretende Waldbrandschutzbeauftragte Philipp Haase der Deutschen Presse-Agentur. Fachleute sprechen von «Wildland-Urban Interface», also der Schnittstelle zwischen bebautem Gebiet und der Natur. 

Es geht darum, das Risiko eines Überspringens von Bränden auf Wohnsiedlungen zu reduzieren. In der vergangenen Woche kam ein Feldbrand in einem Stadtteil von Neuruppin dicht an ein Wohngebiet heran. Es bestand zunächst die Gefahr einer Evakuierung. 

Wegen der verheerenden Waldbrände in Südeuropa mussten zahlreiche Ortschaften evakuiert werden. Hunderttausende Menschen waren betroffen, vor allem an der Atlantikküste bei Bordeaux. 

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Beauftragter: Siedlungen nah an Wald gebaut

«In den letzten Jahren sind immer wieder Siedlungsbereiche an den Wald herangebaut worden», sagte der Waldbrandschutz-Experte Haase. Er nannte unter anderem Gebiete in Potsdam und Beelitz. Konzepte mit Waldbrandschutzwegen und Löschwasserentnahmestellen seien wichtig, um Siedlungsbereiche zu schützen. Auch der Waldumbau müsse forciert werden. Die Stadt Beelitz etwa hatte 2022 eine Risikoanalyse erarbeiten lassen und ein Schutzkonzept erstellt. 

Brände in Frankreich als Warnsignal für die Region

Gerade die Kiefern-Monokulturen rund um Berlin seien anfällig für Waldbrände. «Die katastrophalen Brände in Frankreich sind ein Alarmsignal, sie können sich in den Kiefer-Plantagen im Berliner Umland bei der anhaltenden Hitze und den trockenen Böden leicht wiederholen», erklärte Harald Gross, Experte für Waldschutz bei Greenpeace. 

Bei einer Waldbegehung bei Reiersdorf bei Templin (Uckermark) wies Gross darauf hin, dass ein aufgeräumter Wald nicht unbedingt sicherer ist. Werde Totholz, anders als in den meisten Kiefernforsten, im Wald belassen und eine natürliche Verjüngung des Baumbestands zugelassen, hielten Stämme, Äste und der beschattete Boden die Feuchtigkeit wie ein Schwamm - die Temperatur sinke, die Brandgefahr gehe zurück. 

In den kommenden Tagen kann die Waldbrandgefahr nach Berechnungen des Deutschen Wetterdienstes nach etwas Entspannung am Wochenende wieder steigen.

Experte: Konsequent weg vom reinen Kiefernwald 

Der Biologe und Professor an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde, Pierre Ibisch, sieht für Ostdeutschland die Gefahr, dass sich die Waldbrandgefahr weiter verschärft. «Ich sehe vor allem das Risiko, dass in näherer Zukunft extreme Witterungsereignisse die Waldkiefernforsten nicht nur stark aufheizen und austrocknen, sondern dass in größeren Regionen dann auch ganze Bestände absterben - so, wie wir es nun schon im Falle der Fichten kennengelernt haben.» Sollte die Waldkiefer in bestimmten Gebieten flächig absterben, «würde das innerhalb kürzester Zeit zu einem Brandrisiko führen, wie wir es noch nicht kennen».

Er forderte eine Neuorientierung in der Waldbewirtschaftung. «In allen Regionen gilt, dass leicht entzündliche und brennbare Baumarten und Vegetationstypen gemieden oder möglichst verhindert werden müssen. Das bedeutet bei uns: Endlich konsequent weg von den Nadelbaumreinbeständen», so der Experte Ibisch. Ein relativ kühler Laubwald mit humusreichem Boden und stark zersetztem Totholz sei eine in Deutschland immer noch erreichbare Vision.

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