Ein Lost Place, ein unbequemes Erbe und ein Feuer, das Historisches zerstört: Auf dem Bogensee-Areal mit der Goebbels-Villa nördlich von Berlin hat sich ein Großbrand durch ein geschichtsträchtiges Gebäude gefressen. Zeugen meldeten am Mittwochabend Rauchentwicklung auf dem Areal im brandenburgischen Wandlitz, wie die Polizei mitteilte. Auch am Folgetag war der Einsatz bis zum Mittag nicht abgeschlossen. Die Feuerwehr bekämpft nach eigenen Angaben derzeit vorrangig Glutnester.
«Die Witterung ist der Gegner»
Der Löscheinsatz dauert nun schon mehr als 12 Stunden. In der Nacht seien zwischenzeitlich rund 90 Kräfte im Einsatz gewesen, sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle Nordost. «Die Witterung ist der Gegner.» Die Löscharbeiten gestalteten sich wegen der niedrigen Temperaturen schwierig, Bürgermeister Borchert sprach von teils Minus acht Grad. Einige Pumpen seien durch den Frost beschädigt worden. Auch die Schläuche müssten dauerhaft laufen, sonst frieren sie ein.
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei kam bei dem Feuer niemand zu Schaden. Die Polizei habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und habe erste Zeugen identifizieren können. Um die Brandursache zu untersuchen, muss das Feuer jedoch vollständig gelöscht sein und das Gebiet abgekühlt.
Brand trifft Zukunftskonzept
«Der Brand ist ein tiefer Einschnitt – für unsere Gemeinde und für alle, die sich seit rund zwei Jahren so intensiv für ein tragfähiges Zukunftsmodell dieses Ortes einsetzen», sagte Borchert. Seit 2024 werde mit Hilfe einer Studie und unterstützt durch 560.000 Euro Bundesmittel nach Perspektiven für die zukünftige Nutzung des Areals gesucht.
Bis 2027 soll ein Konzept stehen, dass auch «der Historie des Ortes gerecht werden soll», schreibt die Gemeinde Wandlitz, die erst vor wenigen Monaten eine Nutzungsüberlassung für das Gelände erhalten hatte. «Vor dem Hintergrund ist der Verlust dieses historischen Saales eine Tragödie», sagte Borchert. Und doch solle das die Pläne nicht stoppen, der Bürgermeister sagt: «Jetzt erst recht!»