Die Luft ist warm und feucht, ein leises Knistern liegt im Raum. Das Geräusch kommt aus Stahlschränken, in denen Holzplatten dicht übereinander geschichtet sind. Tausende Hausbocklarven fressen sich durch die Platten. Hinter Glasscheiben ist das Ergebnis ihrer Arbeit zu sehen: feines Bohrmehl, das Thomas Kolling «Genagsel» nennt. Für die Eberswalder Materialprüfanstalt MPA züchtet Kolling Insekten, die normalerweise niemand in Wohnhäusern, Kirchen oder anderen Holzbauwerken haben möchte – Hausbockkäfer, Nagekäfer, Splintholzkäfer und Termiten.
Tests für befallene Kirchen und Museen
Ferner untersucht die MPA auch die Wirksamkeit von Bekämpfungsmaßnahmen in befallenen Gebäuden. «In Kirchen oder Museen können Räume oft nur begast werden, um die wertvolle Einrichtung zu schützen», erklärt Geschäftsführer Robby Wegner. Dafür liefere das Unternehmen sogenannte Prüfbalken, die mit Larven bestückt sind und während der Bekämpfung in den Räumen belassen würden. «Nach der Behandlung öffnen wir die Balken und sehen, ob die Insekten tatsächlich abgestorben sind. Anders ist es schwer nachzuweisen, dass eine Bekämpfung erfolgreich war», sagt der Chemiker und Unternehmer.
Neben der Bundesanstalt für Materialforschung und ‑prüfung (BAM) in Berlin gehört das Eberswalder Unternehmen zu den wenigen Einrichtungen in Europa, die ein breites Spektrum an Holzschutzprüfungen anbieten. «Wir haben eine besondere Spezialisierung auf diesem Gebiet», sagt Wegner. Untersucht wird auch die Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten – etwa mit Hilfe holzzerstörender Pilze oder in Freilandversuchen.