Wie viele Wölfe dürfen in Brandenburg im Jahr geschossen werden? Es ist eine Kernfrage - doch die Antwort scheint alles andere als einfach. «Hunderte werden es nicht sein. So viel kann man schon mal ausschließen», sagte Agrarministerin Hanka Mittelstädt der Deutschen Presse-Agentur.
Die SPD-Politikerin, die selber Jägerin ist, will im Herbst einen neuen Plan zum Umgang mit Wölfen unter Dach und Fach bringen. «Wir betreten ja auch Neuland», sagte sie zu geplanten Regelungen, die möglichen Klagen standhalten sollen. In Hessen etwa gehen Verbände juristisch gegen die dortigen Abschuss-Pläne vor.
Der Konflikt um die Raubtiere in Brandenburg tobt seit Jahren - in dem Bundesland gibt es neben Niedersachen besonders viele Rudel. Kann die Ministerin unterschiedliche Lager zueinander bringen - Jäger und Nutztierhalter auf der einen und Umwelt- und Tierschützer auf der anderen Seite?
Ministerin zuversichtlich: Kompromiss machbar
Auf die Frage, ob sich der Konflikt mit dem sogenannten Managementplan befrieden lasse, antwortet sie: «Erstmal ja.» Mittelstädt ist überzeugt, einen Kompromiss finden zu können. Ein Wolfs-Dialog ist nach der parlamentarischen Sommerpause geplant, bevor der Managementplan im Oktober präsentiert werden soll.
«Man muss mit den Menschen einfach nur reden, und zwar sachlich, ohne Emotionen», sagt die Ministerin. «Dass wir alle von unseren Maximalforderungen runter müssen, ist doch vollkommen klar. So funktionieren Kompromisse in jeder Ehe.»
Der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, Kai Hamann, sagt der dpa: «Wir glauben nicht, dass dadurch Friede herrscht.» Aus seiner Sicht ist das, was geplant ist, nur ein erster Schritt. Und der Bund für Umwelt und Naturschutz kritisierte schon vor Monaten: «Die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht ist kein Fortschritt, sondern eine politische Fehlentscheidung zugunsten der Jagdlobby.»
Kommt eine Art Stufenmodell?
Klar ist, eine pauschale Freigabe der Jagd auf den Wolf oder eine feste Abschuss-Quote für Brandenburg wird es nicht geben.
Nutztierhalter sind weiterhin verpflichtet, Risse zu melden. Dann soll es rasche Genehmigungen geben, um jene Wölfe zu schießen, die über Zäune gesprungen sind und den Schaden angerichtet haben.
Gelingt die Jagd auf einzelne Tiere nicht, kann in dem betroffenen Gebiet auch eine begrenzte Abschussquote freigegeben werden, wie Mittelstädt erklärt. Bestimmte Gebiete - etwa Truppenübungsplätze - sollen zudem von einer Bejagung ausgenommen sein, weil die Wölfe dort niemanden störten.
«Günstiger Erhaltungszustand» als Kriterium
Die Handlungsspielräume der Länder sind aber eingeschränkt. Denn es sollen nur so viele Wölfe geschossen werden, dass der sogenannte «günstige Erhaltungszustand» der Tiere weiterhin gesichert ist. Daten dazu muss Deutschland der EU regelmäßig melden.
Mittelstädt bleibt bei den jährlichen Abschusszahlen noch etwas vage: «Ich glaube, es sind zwischen 10 und 15 Wölfe, die momentan uns zugewiesen werden, die möglicherweise entnommen werden können.»
Ein günstiger Erhaltungszustand beim Wolf wird für Brandenburg nicht separat angegeben, sondern für die sogenannte kontinentale Region gemeinsam, zu der auch Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Teile Niedersachsens gehören.
Absolute Wolfszahlen für Brandenburg will Mittelstädt weiterhin nicht nennen. Zuletzt wurden laut Landesumweltamt 54 Rudel bestätigt. Damit liegt Brandenburg beim Wolfsvorkommen deutschlandweit an der Spitze - mit Niedersachsen.
Kritik am bisherigen Wolfs-Monitoring
Der Jagdverband beklagt, es gebe bisher kein richtiges Monitoring - also eine Erfassung der Zahl der Wölfe. «Wir haben keine reelle Zahl zu dem, was draußen los ist», meint Geschäftsführer Hamann. «Die Nutztierhalter haben die Nase voll.» Sie berichteten ihm derzeit, dass sie jeden Abend einen Wolf sähen.
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