Ruhig und selbstkritisch hatte Union Berlins Präsident Dirk Zingler seinen Vortrag nur einen Tag nach der Freistellung von Nenad Bjelica begonnen. Die bereits zweite Trainerentlassung in dieser Bundesliga-Saison sei natürlich «eine Niederlage für den Club» und «kein gutes Zeichen», gestand der 59-Jährige mit finsterer Miene. Doch die schuldbewusste Rede sollte nicht von langer Dauer sein. Vielmehr redete sich das Köpenicker Urgestein mehr und mehr in Rage und betrieb aufgrund der Spekulationen aus der Vorwoche eine umfassende Medienschelte.
Eigentlich wollte Zingler über die Gründe für die Trennung zwei Spieltage vor Saisonende sprechen. Darüber, dass die Vereinsführung den Glauben in Bjelica verloren hatte und dass dem 52-Jährigen nicht mehr zugetraut wurde, den Absturz in die zweite Liga zu verhindern. Darüber, dass man Interimstrainer Marco Grote und seinem Team selbstverständlich zu 100 Prozent zutraue, die Klasse zu halten. Und über die Nachricht, dass Oliver Ruhnert auch nach dieser Saison den Unionern erhalten bleibe - ob weiter als Geschäftsführer Profifußball oder in anderer Funktion sei noch offen.