Nicht einmal der ohrenbetäubende Feueralarm eine Stunde nach Mitternacht konnte Tina Rupprecht die Laune verhageln. Als die Pressekonferenz nach dem packenden WM-Vereinigungskampf wegen des nervtötenden Pieptons für zehn Minuten unterbrochen werden musste, nippte die Boxerin an einem Bier und blickte glückselig auf die vier WM-Gürtel, die vor ihr auf dem Tisch ausgebreitet lagen.
Durch ihren historischen Punktsieg in Potsdam gegen die bis dahin ungeschlagene Sumire Yamanaka hatte Rupprecht auch noch den fehlenden IBF-Titel geholt und sich zum «Undisputed Champion» im Atomgewicht gekrönt. Also zur unumstrittenen Weltmeisterin - ein Ritterschlag in der Szene. Die 32-Jährige hält nun alle vier WM-Gürtel der wichtigsten Verbände WBO, WBA, WBC und IBF. Das war vor ihr keiner Boxerin und keinem Boxer aus Deutschland gelungen. Weder Max Schmeling noch Henry Maske noch Regina Halmich.
«Ich bin ehrlich gesagt überwältigt, ich kann es noch gar nicht realisieren», sagte die Augsburgerin im ersten Interview noch im Ring: «Ich glaube, wir haben wirklich Werbung für das Frauenboxen gemacht und die Leute begeistert.»