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Hat Berlin bald drei Clubs in der Frauen-Bundesliga?

Hat Berlin bald drei Clubs in der Frauen-Bundesliga?
Die Hertha-Frauen sind stark in die Saison gestartet. (Archivbild) / Foto: Soeren Stache/dpa
Drei Berliner Fußball-Vereine könnten bald in der Frauen-Bundesliga spielen. Doch Viktoria, Hertha und Union setzen auf unterschiedliche Wege – wie wollen sie sich jeweils entwickeln?

Spioniert Marie-Louise Eta schon die Derby-Gegnerinnen von morgen aus? Wenn Viktoria Berlin und Hertha BSC am Sonntag im Spitzenspiel der zweiten Frauenfußball-Bundesliga aufeinandertreffen, schaut die Trainerin von Union Berlin jedenfalls genau hin. «Ich werde es sicherlich verfolgen, mindestens im Ticker», sagte Eta der dpa.

Der Grund: Schon bald könnte Union gleich zwei Berliner Rivalen im Oberhaus bekommen. «Wir würden uns natürlich freuen, wenn vielleicht sogar beide Teams nächstes Jahr in der Bundesliga spielen und wir Berliner Derbys haben», sagte die 35-Jährige.

Die Chancen stehen nicht schlecht. Viktoria führt die zweite Liga mit 27 Punkten an, Aufsteiger Hertha liegt vor dem Duell (14.00 Uhr/Stream bei Leagues) überraschend auf Rang drei (23).

Viktoria: Frauensport «nicht nur als Anhängsel»

«Berlin ist eine Supersportstadt und das endlich auch für die Frauen», sagt Viktoria-Geschäftsführerin und -Mitgründerin Felicia Mutterer. «Aber wir gehen noch einen Schritt weiter: Wir beweisen hier in Berlin gerade, dass Frauensport als eigenständiges, tragfähiges Geschäftsmodell funktioniert und nicht nur als Anhängsel bestehender Strukturen.»

Es gibt einen Boom, findet auch Herthas Leiter Frauenfußball, Sofian Chahed. «Wir merken es auch im gesamten Breitensport, dass immer mehr Mädchen zum Fußball kommen, Fußball spielen wollen», erklärt der frühere Bundesliga-Profi. Dabei gibt es aber Wachstumsschmerzen, die viele Sportvereine der Metropole kennen. «Leider ist es ein kleines Manko der Stadt Berlin, dass wir eben nicht genug Sportplätze für alle haben, um sich auch im Frauen- und Mädchenfußball als gesamte Stadt gut zu entwickeln.»

Die Konkurrenzsituation macht dem 43-Jährigen keine Sorgen. «Für mich bedeutet mehr Wettbewerb schnellere und bessere gezielte Weiterentwicklung in allen Bereichen», sagt er. «Berlin ist groß genug für drei gute Frauenfußballmannschaften.»

So unterscheiden sich Hertha, Viktoria und Union

Schließlich verfolgen die drei Clubs auch unterschiedliche Ansätze. Bei Union bekamen alle Spielerinnen und der Staff noch in der Regionalliga Profiverträge. Die Eisernen Ladies marschierten in die höchste Spielklasse. Das Team spielt im Stadion An der Alten Försterei, hatte in der vergangenen Saison den zweithöchsten Zuschauerschnitt der Bundesliga. Aktuell entsteht ein gemeinsames Trainingszentrum für Männer und Frauen. Das Ziel ist klar: Union will in die nationale Spitze.

Die Viktoria-Frauen gliederten sich 2022 vom Stammverein aus, mit dem Ziel innerhalb von fünf Jahren über die Regionalliga in die Bundesliga aufzusteigen. Mehr als 270 Investoren und Investorinnen hat das Projekt inzwischen, darunter prominente Namen wie Maria Höfl-Riesch und Carolin Kebekus sowie den US-Investor Monarch Collective. 

Wer zu Viktoria komme, «tut das ganz bewusst wegen unseres hundertprozentigen Fokus auf Frauen beziehungsweise Female Empowerment» betont Mutterer. «Sponsoren und Fans, die zu uns kommen, wollen nicht einfach nur Fußball sehen, sondern einen kulturellen Wandel treiben.»

Eta glaubt an offenes Duell

Die Hertha geht auch aus finanziellen Zwängen einen etwas behutsameren Weg. «Ich bin von unserem felsenfest überzeugt, der vielleicht etwas langjähriger ist, aber dann auf jeden Fall auch von Nachhaltigkeit geprägt sein wird», sagt Chahed. 

Erst 2023 bekam der Club seine Frauenabteilung durch eine Kooperation mit Hertha Zehlendorf. Das junge Team hält nun in Liga zwei auf Anhieb richtig gut mit. Das Ziel heißt in dieser Saison aber weiter Klassenerhalt. «Wir passen unsere Ziele nicht an, weil es uns bewusst um die Entwicklung einer jungen, talentierten Mannschaft geht und um die Entwicklung jeder einzelnen Spielerin», sagt Chahed. 

Spannend wird es am Sonntag trotzdem, denkt Eta. «Ich glaube, das wird ein sehr offenes Duell», sagt die Trainerin.

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