Berlin scheiterte 1993 in Monaco bei Vergabe der Spiele 2000 – Lehren für die neue Bewerbung
Der Rote Teppich war vor 33 Jahren am 23. September 1993 schon ausgerollt. Bei der Vergabe der Olympischen Spiele für das Jahr 2000 in Monaco ruhten auf Sportstars wie Steffi Graf oder der ganz jungen Franziska van Almsick die Hoffnungen für Berlin. Am Brandenburger Tor kamen rund 60.000 Menschen zusammen, um die Videoübertragung der Vergabe mit einem späteren Sieger Berlin zu bejubeln. Doch bereits nach der zweiten Runde und lediglich neun von 88 Stimmen der IOC-Mitglieder mussten am Wahrzeichen die Tränen getrocknet werden, während im Tränenpalast die Olympiagegner lauthals jubelten. Es war ein krachendes Scheitern, das allerdings nicht überraschend kam. Zu viele Faktoren sorgten dafür, dass es vorprogrammiert war. Die Unterschiede zur heutigen Bewerbung sind groß, auch wenn sich ein paar Parallelen doch andeuten. «Das IOC hatte nicht den Eindruck, die Stadt wolle die Spiele wirklich», sagte Thomas Bach, der als IOC-Mitglied die Berliner Delegation in Monaco begleitet hatte. «Wenn ein IOC-Mitglied Berlin besucht hat, musste ihm ein Sicherheitsbeamter zur Seite gestellt werden.» Die Stimmung in der Stadt und im Land war für die Herren der Ringe mehr als ein weicher Faktor. Während in Sydney nach dem letzten Durchgang Jubelfeiern ausbrachen, sagte der damalige Senator für Stadtentwicklung, Volker Hassemer (CDU), der in Sydney vor Ort war: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in Deutschland zu einer solchen 100-Prozent-Begeisterung fähig sind.» Uneinigkeit herrschte damals an vielen Fronten. Zum einen gab es mit dem Deutschen Sportbund (DSB) und dem Nationalen Olympische Komitee für Deutschland (NOK) noch zwei deutsche Sportorganisationen, die noch nicht miteinander harmonierten und aus denen erst 2006 der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erwuchs. Zum anderen gab es auch noch große Dissonanzen zwischen Berlin und dem Bund. Vertreter aus der Bundesregierung zogen erst spät in den Aufsichtsrat der Olympia-Gesellschaft ein, Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hielt sich gänzlich zurück, während andere Regierungschefs ihre Bewerber protegierten. Die befremdliche Atmosphäre spiegelte sich auch in der Bevölkerung wider. Wie heute hatte sich auch nach der Bewerbung 1991 eine NOlympia-Bewegung gebildet, die neben Aktionen in der Hauptstadt auch in Monaco vor der Vergabe für Stimmung sorgte. Ein Video, das mit einem mit einem Pflasterstein bewaffneten Punk und den Worten «We will wait for you» endete, warf die Frage auf, wie die IOC-Mitglieder in der Hauptstadt von Sicherheitsbeamten geschützt werden. Und auch die Verantwortlichen der neu gegründeten Olympia GmbH und Olympia Marketing GmbH konnten keine Hochstimmung erzeugen. Sie setzten beim Stimmenfang auf die Geschichte der Mauerstadt, anstatt die zu der Zeit bestehenden Probleme wie Wohnungsnot oder das Zusammenwachsen zwischen West und Ost mit den Spielen zu verbinden und gegebenenfalls Lösungen anzubieten. So waren 1992 in einer Infas-Umfrage lediglich 25 Prozent der Berliner für eine Bewerbung Berlins, 34 Prozent lehnten das Vorhaben ab. Für viel Stoff für die Kritiker sorgten die Olympia-Geschäftsführer Lutz Grüttke und Axel Nawrocki. Grüttke lockte Mitarbeiter mit hohen Gehältern und IOC-Mitglieder mit großzügigen Zuwendungen und wurde bereits im Dezember 1991 vom ehemaligen Treuhand-Manager Nawrocki abgelöst. Unter Nawrockis Verantwortung wurden Dossiers über IOC-Mitglieder angelegt, in denen unter anderem deren sexuelle Vorlieben erkundet werden sollten. Doch auch der sportferne Nawrocki konnte keine Stimmung erzeugen, die Präsentation in Monaco geriet zum Spiegelbild des gesamten Verlaufs der Bewerbung, die der damalige DSB-Präsident Manfred von Richthofen mit einem Wort unter «amateurhaft» verbuchte. Zwar wurde bei der aktuellen Bewerbung um den nationalen Startplatz, über den am kommenden Samstag auf der Mitgliederversammlung des DOSB entschieden wird, auch die Geschichte Berlins in das Bewerbungsschreiben gelegt, doch der amtierende Präsident des Landessportbundes (LSB), Thomas Härtel, sieht keine Parallelen zur damaligen Bewerbung. «Die damalige Bewerbung wurde konterkariert durch unkluges politisches Handeln», sagte Härtel der Deutschen Presse-Agentur. Der Präsident sieht vor allem in der ehrenamtlichen Position des vom Senat eingestellten Olympiabeauftragten Kaweh Niroomand eine ganz andere Botschaft. Der Manager der BR Volleys hat durch die Einsetzung des Kuratoriums mit Mitgliedern aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen «eine völlig andere Ausgangslage». So werde diesmal konzeptionell auf bestehenden Sportstätten aufgebaut, die soziale Aspekte einbeziehen, auch wenn Berlin am kommenden Samstag scheitern sollte. «Es hat schon einen Ruck durch die Bewerbung gegeben. In die Berliner Bäder werden in den kommenden Jahren 600 Millionen Euro investiert, damit Kinder schwimmen lernen können», sagte der 75-jährige Härtel. Zudem wurden 76 neue Sportstätten errichtet. «Auch das sind Signale, die es damals nicht gab - trotz Max-Schmeling-Halle und Velodrom», ergänzte er. Die beiden großen Hallen seien das Positive aus der damaligen Bewerbung. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). 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Distanzierte Bundesregierung
Olympiagegner in Monaco vor Ort
Dossiers über sexuelle Vorlieben angelegt
Ruck durch aktuelle Bewerbung