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KI zum Kuscheln: Wozu sind «Moflins» gut?

KI zum Kuscheln: Wozu sind «Moflins» gut?
Mit ihren Knopfaugen erinnern Moflins an Hamster. / Foto: Manuel Genolet/dpa
Moflins sind Spielzeug-Tiere aus Japan, die mit künstlicher Intelligenz unterschiedliche Charaktere annehmen können. Ist das gruselig oder eine Chance?

Sie sind kuschelige Wesen mit Knopfaugen und Batterie im Bauch und erinnern an Hamster: Der japanische Elektronikkonzern Casio bringt jetzt mit dem «Moflin» einen KI-gestützten Plüschgefährten auf den deutschen Markt, der emotionale Bindungen aufbauen soll. «Der Moflin ist von kleinen Tieren inspiriert, basiert jedoch nicht auf einem bestimmten Tier», erklärt Entwicklerin Erina Echikawa. Jeder Nutzer solle seiner Fantasie freien Lauf lassen können. 

Sanfte Wärme, leise Atemgeräusche und unterschiedliche Laute sollen den Eindruck eines lebendigen Begleiters vermitteln. Es komme darauf an, wie man ihn berühre oder mit ihm kommuniziere. «Der Moflin reagiert wirklich auf ganz unterschiedliche Weise: vorsichtig, schüchtern, lebhaft oder auch anhänglich», sagt Kazuyuki Yamashita, Geschäftsführer von Casio Europa.

«Bei manchen geht eine Tür auf»

Im Hamburger Hospital zum Heiligen Geist sind seit Ende 2025 bereits zehn Moflins zu Testzwecken im Einsatz. Einige Bewohner hätten die kleinen KI-Tiere sofort ins Herz geschlossen, andere könnten mit ihnen wenig anfangen, berichtet Sprecher Enno Olbrich. Besonders auffällig sei, dass die Moflins Menschen aktivierten und Gespräche anstießen: «Man merkt schon, dass die Menschen ein wenig aufwachen, dass sie sich plötzlich damit beschäftigen. Da geht bei manchen Bewohnern eine Tür auf». 

Gleichzeitig betont Olbrich, dass die Kuschelroboter nicht dazu da seien, die Senioren abzuspeisen. «So ein Plüschtier kann keinen menschlichen Kontakt ersetzen. Es kann auch kein echtes Haustier ersetzen. Es kann aber eine Alternative sein, wenn all das im Moment gerade nicht zur Verfügung steht.»

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Untersuchung des Instituts Leistung Arbeit Gesundheit (ILAG) aus Plön. Wissenschaftler haben den Einsatz von 50 Moflins in fünf Pflegeheimen deutschlandweit untersucht. Studienautor Michael Bau sagt, sein Team sei von der Resonanz überrascht gewesen: «Etwas über die Hälfte der Bewohner, die sich dort mit dem Moflin beschäftigt haben, haben auch tatsächlich ein ernsthaftes Interesse daran geäußert», so der Sozialwissenschaftler. 

Mehr Wohlbefinden, soziale Teilhabe und weniger Klagen

«Es ist ein ernsthaftes Kommunizieren gewesen zwischen der KI im Moflin und der Bewohnerin oder dem Bewohner», so Bau. Bewohner seien mehr aus sich herausgegangen, hätten wieder mehr mit anderen kommuniziert, ihnen gezeigt, was ein Moflin kann. «Es kam ganz viel Dialog und Kommunikation auf zwischen den Menschen und das fand ich schon bemerkenswert», berichtet Bau. 

Insgesamt hätten die Moflins bei vielen Nutzern für mehr Wohlbefinden, soziale Teilhabe, positive Emotionen und Freude gesorgt. Manche hätten deutlich weniger über ihre Krankheiten und Beschwerden geklagt. Bei anderen seien die kleinen KI-Kuscheltiere hingegen auf Ablehnung gestoßen. «Was soll ich mit dem machen?» oder «Ich bin doch kein Kind, das ist Kinderkram» oder «Eigenartiges Vieh» hätten einige Reaktionen gelautet. 

Der Offenburger Professor Oliver Korn forscht seit Jahren zur Interaktion zwischen Mensch und Computer. Nach seiner Einschätzung könnten Moflins vor allem bei Einsamkeit helfen. «Es konkurriert ja nicht der Begleitroboter mit menschlicher Zuwendung, sondern er konkurriert mit gar keiner Zuwendung.» Gerade für ältere Menschen könne das besser sein als gar keine Ansprache. 

Menschen neigen demnach dazu, Maschinen zu vermenschlichen und Bindungen zu ihnen aufzubauen. Gleichzeitig sei bei vielen älteren Menschen das Bedürfnis nach Nähe groß. Seine bisherigen Forschungen deuteten darauf hin: «Je stärker der kognitive und der physiologische Verfall, desto mehr das Bedürfnis nach Berührung, nach Nähe, nach etwas, das man in den Arm nehmen kann.» 

Allerdings gebe es auch Menschen, die solche Angebote ablehnten, weil sie ihre Unabhängigkeit bewahren wollten. Und Korn sieht den Moflin auch nur als begrenzte Lösung. «Ich empfinde es eher als ein nettes Gadget.» Ein echter sozialer Roboter müsse Menschen aktivieren, an Medikamente oder das Trinken erinnern und Gespräche führen können. Die Idee sozialer Roboter sei keineswegs neu. Korn verweist etwa auf den Roboterhund Aibo, den Roboter Nao sowie die Robbe Paro. 

Experten sehen Einsatz von KI-Spielzeug bei Kindern kritisch 

Unklar sei, welche langfristigen Effekte es durch den Einsatz von Moflins gibt, sagt Studienautor Michael Bau. Eine weitere interessante Frage sei auch, für welche Zielgruppen diese Art von Spielzeugen sinnvoll sein könnten. «Dazu müsste aber mehr Forschung noch passieren», so Bau. 

Für Kinder sind bereits zahlreiche Plüschtiere, Puppen und Figuren mit Chatbots auf dem Markt. Experten allerdings warnen vor dem unbedarften Einsatz. Eine unbegleitete, regelmäßige Nutzung könne die soziale Entwicklung von Kindern beeinträchtigen, befürchtet ein Team um Emily Goodacre von der University of Cambridge.

Mit der britischen Kinderhilfsorganisation The Childhood Trust analysierten die Forscher den Umgang von 14 Drei- bis Fünfjährigen mit dem KI-Stofftier «Gabbo». Viele Kinder waren begeistert, umarmten und küssten das Gerät oder sagten, sie liebten es.

Tatsächlich werden KI-Spielzeuge gern als wertvolle Lernbegleiter vermarktet. Das berge die Gefahr, dass Eltern ihr Kleinkind guten Gewissens stundenlang allein mit dem KI-Teil spielen lassen, sagt der Entwicklungspsychologe Sven Lindberg. Damit werde ihm zum einen Zeit für wertvolle andere Dinge genommen - toben, malen, sich selbst kreativ Dinge ausdenken. Zudem ersetze ein Gerät niemals den Menschen, wenn es um Beziehungsaufbau und kindliche Entwicklung gehe. «Mimik, Gestik, Resonanz - man braucht sehr viel, um das Menschsein lernen zu können.»

Spielerisch agierende KI-Geräte böten etwa in der Frühförderung oder auch der Logopädie sicherlich großes Potenzial, betont Lindberg, Leiter der Klinischen Entwicklungspsychologie an der Universität Paderborn. «Als Unterstützung beim Lernen oder wenn es darum geht, Kinder zum Wiederholen von Übungen zu motivieren.» 

Ergänzung zum Schnuller

Kurze, begleitete Spieleinheiten mit KI-Spielzeug hätten gegenüber passiven Medien auch im Alltag durchaus Vorteile, ergänzt Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). KI-Spielzeug sollte aber nicht als Beruhigungs- oder Beschäftigungsmittel für Kinder eingesetzt werden, um selbst ungestört andere Dinge machen zu können. 

Auch Oliver Korn sieht den Einsatz bei kleinen Kindern deutlich kritischer als bei älteren Menschen. Eltern sollten emotionale Interaktion nicht an Spielzeuge auslagern, sagt der Wissenschaftler. «Das ist doch mit das Schönste: Mit dem Kind zu spielen und zu sehen, wie es da mit großen Augen die Welt erkundet.» Am ehesten für ganz Kleine sieht er eine mögliche Anwendung: «Als Schnuller-Ersatz oder Ergänzung zum Schnuller.»

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