Bestseller-Autorin Juli Zeh kann sich vorstellen, als Bundespräsidentin zu kandidieren - will damit aber noch einige Jahre warten. «Inzwischen kann ich es mir tatsächlich irgendwann einmal vorstellen. Aber nicht jetzt, weil ich das mit der Doppelbelastung aus Beruf und Familie nicht in Einklang bringen könnte», sagte die 51-Jährige im Interview der «Zeit».
Bislang sei sie nicht gefragt worden, ob sie für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier antreten wolle, dessen Amtszeit im März 2027 endet. Ohnehin seien als Bundespräsidentin «die äußeren Zwänge riesig» - zu viel, solange ihre Kinder noch klein seien, sagte Zeh. «Wenn die jüngere Tochter Abitur gemacht hat, das wäre vielleicht der erste Moment, in dem ich konkret über so was nachdenken würde. Also in sieben oder acht Jahren.»
Sehnsucht nach atypischen Menschen in der Politik
Als richtige Person für das höchste Amt des Landes sieht sich die Autorin dennoch. Es gebe eine Sehnsucht nach Menschen, die «atypisch für den Politikbetrieb sind, was das Auftreten und die Rhetorik betrifft», sagte Zeh - und noch dazu nicht klar einem Lager zugeordnet seien. «Da könnte ich vom Persönlichkeitsprofil ganz gut reinpassen.»
Dass auf Steinmeier eine Frau folgen könne, sei «superzeitgemäß und wichtig», sagte Zeh. Entscheidend dürfe das Geschlecht aus ihrer Sicht jedoch nicht sein - viel wichtiger sei, dass die Person im Amt konkrete Probleme angehe. «Identitätspolitische Fragen sind wichtig, aber sollten nicht die Priorität haben.»
Autorin auch ehrenamtliche Verfassungsrichterin in Brandenburg
Zehs Werken wie «Unterleuten», «Über Menschen» und «Zwischen Welten» wurden millionenfach verkauft. Sie wohnt in einem Dorf in Brandenburg und ist seit 2017 SPD-Mitglied. Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin ist die promovierte Juristin auch als ehrenamtliche Richterin am Landesverfassungsgericht in Brandenburg aktiv.
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