Der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, hat vor einer Ausgrenzung der Kultur seines Landes gewarnt. «Wir sehen sehr genau, wer uns die Hand reicht und wer sich abwendet», sagte Prosor bei einer Festveranstaltung in Potsdam anlässlich 60 Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. «Früher war Kultur ein Band, das uns zusammenführte, ein Kompass, der uns Orientierung gab. Heute scheint seine Nadel gefährlich zu zittern.»
Botschafter sieht Wendepunkt
Der Botschafter rief dazu auf, Brücken zu bauen. «Umso wichtiger ist es, dass wir zurückfinden zu einer Kultur, die nicht ausgrenzt, sondern einlädt, die Fragen stellt, statt Antworten zu diktieren, die Brücken baut, statt Gräben zu ziehen», sagte Prosor. «Wir stehen an einem Wendepunkt. Kultur, einst ein Ort der Offenheit, wird zunehmend zum Prüfstein. Wer heute noch eine Bühne bekommt, muss sich allzu oft von Israel distanzieren.»
Die Festveranstaltung der Brandenburger Landesregierung fand auf dem jüdischen Theaterschiff MS Goldberg aus Berlin statt. Als Ehrengast war der Holocaust-Überlende George Shefi anwesend. Prosor ging nicht auf Kritik aus Deutschland am Vorgehen seines Landes im Gazastreifen ein.