Nur wer sich ändert, bleibt sich treu – mit diesem Verdikt hat Wolf Biermann seine Abkehr vom Kommunismus erklärt. Für seine Lieder gilt das nicht. Auf einem neuen Album erscheinen zu seinem 88. Geburtstag am 15. November 22 Klassiker und weniger bekannte Titel, die von jüngeren Künstlern musikalisch interpretiert werden. Darunter sind Annett Louisan, Ina Müller, Meret Becker, Lina Maly und Alligatoah.
«Wolf Biermann re:imagined - Lieder für jetzt!» heißt das Coveralbum. In einem Ergänzungsalbum geht es nur um das vielleicht bekannteste Lied des ehemaligen DDR-Oppositionellen, die «Ermutigung». Der in Hamburg lebende Liedermacher steuert selbst mehrere Variationen des Liedes bei.
«Wenn ein Lied was taugt, wenn das ein starkes Gedicht ist und eine schöne Musik hat, dann gibt es überhaupt keinen Grund, es nicht 100 Jahre später zu singen, auch wenn die Zeitumstände inzwischen extrem andere sind», sagt Biermann im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Die menschliche Substanz von Hoffnung, Erleichterung und Verzweiflung, von Liebe und Hass im Streit der Welt sei schon etwas älter. Augenzwinkernd fügt er hinzu: «Ich kann mich genau daran erinnern, wie es in der Steinzeit war. Dort haben wir auch gelegentlich am Lagerfeuer vor der Höhle gesungen.»