Wer waren die Impressionisten? Ein Museum zeichnet Netzwerke
Es gilt als Publikumsmagnet und feiert sein Jubiläum mit Leihgaben von Dutzenden Galerien und Privatpersonen weltweit: Zum zehnten Jahr des Bestehens öffnet im Potsdamer Museum Barberini die internationale Schau «Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk». Einige der dort ausgestellten Werke sind demnach selten zu sehen. 95 Gemälde und Zeichnungen aus neun Ländern sind laut Barberini extra nach Potsdam gereist, unter anderem aus Frankreich, Israel, Japan, der Schweiz und den USA. Sie sollen zeigen, wie «aus einer Gruppe junger Künstlerinnen und Künstler, deren Malerei zunächst auf Ablehnung stieß, eine der bis heute populärsten Kunstrichtungen der Moderne» wurde. Der Impressionismus - entstanden im 19. Jahrhundert - ist im Barberini Programm: Gegründet wurde das bekannte Museum von dem Kunstmäzen und Software-Milliardär Hasso Plattner. Er hat eine Sammlung französischer impressionistischer und postimpressionistischer Malerei aufgebaut, die 115 Werke umfasst. Seit 2020 bildet sie das Zentrum der Dauerausstellung. Mehr als drei Millionen Menschen haben das Museum seit seiner Gründung besucht. Eine lange Liste an Werken aus vielen Ecken der Welt kündigt das Barberini an, die dort vom 7. November 2026 bis 21. Februar 2027 zu sehen sind: etwa Claude Monets «Bazille und Camille» (1865, National Gallery of Art, Washington), «Das Dampfschiff» von Berthe Morisot (1875, Privatsammlung) und «Junge in den Blumen» von Édouard Manet (1876, National Museum of Western Art, Tokio). Anlässlich des Jubiläums werden auch die Gemälde der Dauerausstellung auf neue Weise präsentiert: «10 Werke, 10 Räume, 10 Geschichten», erklärt Kuratorin Sterre Barentsen. Ausgangspunkt sei immer jeweils ein Bild aus der Sammlung von Hasso Plattner. Das Plakat zur Ausstellung ziert ein Gemälde, auf dem die Künstlerin Berthe Morisot lässig vor einem roten Hintergrund liegt und mit erhobenem Kopf den Betrachter anschaut - gemalt hat es ihr Künstlerkollege, Freund und Schwager Édouard Manet. Genau darum soll es bei der Schau auch gehen: die persönlichen Beziehungen und Verbindungen der Menschen im Impressionismus. Morisot lebte von 1841 bis 1895 und war in der damaligen Zeit eine Besonderheit, weil sie eine Frau war. «Sie durfte nicht wie Monet oder Renoir einfach irgendwo hingehen, sie musste immer begleitet werden», sagt Ortrud Westheider, Barberini-Direktorin und ebenfalls Kuratorin der Ausstellung. Um das Netzwerk der Menschen und Kunstwerke im Impressionismus geht es auch in einer neu erschaffenen digitalen Plattform: «Networks of Impressionism» zeigt sowohl Informationen zu Kunstwerken und ihren Besitzern und Künstlern, als auch deren Beziehungen untereinander und die Orte, an denen sie lebten und arbeiteten und wo die Werke entstanden oder ausgestellt wurden. Der Plan ist es, Daten zu Tausenden Werken zusammenzuführen. Im Internet ist das interaktive Netzwerk bereits unter networksofimpressionism.org für alle zugänglich. Zudem gibt es Begleitprojekte: Zehn Persönlichkeiten aus Kunst, Film, Literatur und Musik - darunter die Autorin Lena Brasch und der Regisseur Volker Schlöndorff - berichten zum Beispiel, was sie ganz persönlich mit Künstlern, Sammlern und Orten des Impressionismus verbinden. Ab Ende November ist das unter connections.museum.barberini.de abrufbar. Und wie haben sich jene Orte verändert, an denen Impressionisten einst malten? Das sollen ab Januar unter places.museum-barberini.de aktuelle Fotos der Schauplätze «im Dialog mit historischen Gemälden» zeigen. Copyright 2026, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehaltenSonderausstellung: Wer schaut mich da erhobenen Hauptes an?
Forschungsplattform: Mit wem war eigentlich Monet befreundet?