Ein legendärer Spruch aus einem legendären Film: «Is' ohne Frühstück. Is' auch ohne Diskussion.» Mit diesen Worten schmeißt die Sängerin Solo Sunny ihren Liebhaber im gleichnamigen Defa-Streifen mit Renate Krößner von 1980 raus. Diese Worte schmücken den Titel einer neuen Ausstellung über 80 Jahre Defa-Filme. Es geht nicht nur um Sunny: Im Potsdamer Filmmuseum sind vom 24. Juli bis zum 2. Mai 2027 insgesamt 40 bekannte und weniger bekannte Filme zu sehen. Die Besucherinnen und Besucher können auch Plakate, Requisiten und Fotos betrachten.
«Es geht uns nicht darum, mit dieser Ausstellung die DDR zu feiern», sagte der Kurator Guido Altendorf. «Aber wir wollen die Menschen durchaus feiern, die in der DDR, in diesem Spannungsfeld DDR, gelebt, gearbeitet und sich auch mal hier und dort gefreut haben.» Der Kurator meint: «Die DDR war sehr viel bunter, sehr viel weniger monolithisch, als es oft gesagt wird.» An den Filmen könne man auch den Zeitgeist ablesen. Der Leiter des Filmmuseums, Michael Fürst, sagte, es sei wichtig, «dass wir diese Filmgeschichte als Teil der gesamten deutschen Filmgeschichte behandeln».
Von Rebellion und Rückzug bis Sex und Liebe
Die ausgewählten Filme der Ausstellung «Ohne Frühstück. Ohne Diskussion. 80 Jahre Defa-Filme» mit ihren Fotos, Requisiten und Kostümen geben einen Überblick über 40 Jahre DDR-Alltag. Sie sind eingebettet in elf verschiedene Kapitel, darunter «Rebellion und Rückzug», «Freiheit und Fernweh» und «Sex und Liebe».
Vom Film «Solo Sunny» sind nicht nur ein Plakat, eine Lederjacke und ein Kleid zu sehen, sondern auch interne Notizen zu den Dreharbeiten: «Bitte warmes Wasser für Duschvorgang vorbereiten!» oder auch «Bitte Wärmemöglichkeit für Sunny.» Weitere Filme sind «Der Mann, der nach der Oma kam» von 1971 mit Winfried Glatzeder über Geschlechterrollen, «Einer trage des anderen Last» von 1988 über Toleranz und «Coming out» von 1989 über einen homosexuellen Lehrer. Auch Kinderfilme wie «Moritz in der Litfaßsäule» (1983) sind dabei.
Neue Defa-Fans gesucht
Die Macher der Schau wollen nicht nur bisherige Fans ansprechen, sondern auch jüngere Besucherinnen und Besucher. «Die Menschen, die sich jetzt neu für das Defa-Filmerbe interessieren, haben meistens noch nicht so eine hohe emotionale Bindung zu den Filmen», sagte Philip Zengel von der Defa-Stiftung. «Dadurch, dass man so universelle Themen findet wie Mode, wie Freiheit, wie Liebe, Religion, Kulinarik (...) kann man, glaube ich, nachkommende Generationen auch dazu bewegen, sich für diese Filme zu interessieren.»
Wer will, kann auch das begleitende Programm zur Ausstellung erleben: So sind Klassiker wie «Coming out» (12. November), «Dach überm Kopf» (24. Januar) oder «Jakob der Lügner» auf der Leinwand des Filmmuseums zu sehen. Zu manchen Filmen kommen Gäste, zu einigen gibt es eine Einführung. Zur Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag wird auch die Schauspielerin Jutta Wachowiak erwartet.
Die Geschichte der Defa
Die Defa (Deutsche Film AG) wurde 1946 in Potsdam-Babelsberg gegründet. Sie war die erste deutsche Nachkriegsfilmgesellschaft, später die staatliche Filmproduktionsgesellschaft der DDR. Im Jahr 1992 wurde die Defa aufgelöst, die Treuhandanstalt verkaufte das Filmstudio in Potsdam-Babelsberg. Im gleichen Jahr übernahm die Defa-Stiftung den Filmbestand, um ihn als nationales Kulturerbe zu erhalten.
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