Bei der seit Sonntag laufenden Sitzung des Unesco-Welterbekomitees hat heute der Entscheidungsprozess über Neueinträge auf der Liste der Kultur- und Naturerbestätten begonnen. Aus Deutschland geht die Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten Berlins ins Rennen. Dabei handelt es sich nicht um einen eigenständigen Eintrag, sondern um die Erweiterung der bereits 2008 anerkannten Welterbestätte «Siedlungen der Berliner Moderne», zu der unter anderem die bekannte Hufeisensiedlung im Bezirk Neukölln oder die Weiße Siedlung in Reinickendorf zählen.
Wann genau das Gremium über die Waldsiedlung Zehlendorf entscheidet, hängt davon ab, wie schnell die mehr als 30 neuen Bewerbungen abgehandelt werden. Laut der offiziellen Programmagenda soll der Entscheidungsprozess bis spätestens Montagmorgen deutscher Zeit abgeschlossen sein. Unter den vorgeschlagenen neuen Welterbestätten befinden sich unter anderem die D-Day-Landungsstrände in der Normandie, von denen aus die alliierten Streitkräfte 1944 Europa von Westen her von der Nazi-Herrschaft befreiten.
Die Waldsiedlung Zehlendorf wurde von 1926 bis 1932 erbaut. Wegen der bunten Fassaden wird sie im Volksmund auch «Papageiensiedlung» genannt. Eine Besonderheit ist, dass sie flächenmäßig die größte aller Siedlungen der Berliner Moderne ist. Inmitten der Waldsiedlung befindet sich auch die Ladenstraße im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte - das revolutionäre Konzept, ein Einkaufszentrum direkt an einen Bahnhof anzubinden, war damals weltweit einmalig. Etliche Prominente haben einst in der Siedlung gewohnt, darunter Schauspieler Theo Lingen oder der SPD-Politiker und Nazi-Gegner Julius Leber.
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