In Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Zerwürfnisse kann Oper aus Sicht von Intendant Matthias Schulz besondere Funktionen übernehmen. «Oper ist ein Ort der Begegnung, wo man gemeinsam das Gleiche erlebt und danach im besten Sinne darüber streitet», sagte der scheidende Intendant der Staatsoper Unter den Linden der dpa in Berlin vor seinem Wechsel nach Zürich. «Oper ist die beste Demokratieübung. Es sind ja nie alle der gleichen Meinung über das, was man da sieht. Es ist fantastisch, wenn dann eine konstruktive Auseinandersetzung darüber stattfindet.»
Dabei sollte sich das Musiktheater aus Sicht des studierten Volkswirts und Pianisten vor simplen Wegen hüten. «Oper sollte keine einfachen Antworten liefern, sondern Oper sollte helfen, die Ambivalenzen des Lebens besser auszuhalten», sagte der 46-Jährige. «Dem Populismus, der überall ist, muss etwas entgegengesetzt werden. Das Leben hat keine einfachen Antworten, und die Oper sollte das auch gar nicht versuchen.»