Er nuschele bis zur Unverständlichkeit, idealisiere das Ruhrgebiet, das er längst verlassen hat, könne weder gescheit singen noch tanzen: Kritiker haben Herbert Grönemeyer vieles vorgeworfen. Trotzdem zählt er seit Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Künstlern Deutschlands. Wie macht er das nur? Fünf Thesen zum Phänomen Grönemeyer – zu seinem heutigen 70. Geburtstag.
Grönemeyer wirkt durch hohen Wiedererkennungswert
«Wer heute ein vierzig Jahre altes Lied von ihm hört, der sagt nicht: Das klingt nach den 80ern. Der sagt: Das klingt nach Grönemeyer», fasst die Popmusik-Expertin Barbara Hornberger von der Bergischen Universität Wuppertal einen Effekt zusammen, den sie auch als «starken Signature Sound» beschreibt: «Es ist hauptsächlich, wie meine Stimme klingt und wie ich Dinge wegsinge oder verschlucke», sagt Grönemeyer im dpa-Interview kurz vor seinem Geburtstag über den so typischen Klang.
In dieser höchst wiedererkennbaren Mischung aus vermeintlich missbetonten Wörtern, undeutlicher Artikulation und der besonderen Art des assoziativen Textens hat er einen ganz eigenen Stil geprägt - «und hat doch immer auch zeittypische Elemente in seiner Musik aufgegriffen», sagt die Musikwissenschaftlerin Hornberger.